Kultur : ZURÜCK - KLASSIK

PETER SÜHRING

Es war ein erhellender Vorgang, Gustav Mahlers "Vierte" am Sonntag nachmittag als sinfonischen Abschluß jüdischer Kulturtage von den Berliner Symphonikern in der gut besuchten Philharmonie unter ihrem israelischen Chefdirigenten Lior Shambadal zu hören.Shambadal zelebrierte das Werk mit innerem Feuer, aber ohne Hysterie und gigantomanische Züge.So traf er ins Herz dieser vorder- und hintergründigen Welt auf tönenden Füßen, machte ihre konspirativen Gedanken hörbar, besonders dank vieler vortrefflicher Bläser.Ohne die gerade modischen willkürlichen Tempiwechsel konnte er realisieren, was Mahler mit "ohne Hast" meinte.Selbst im "Ruhevoll" des Variationensatzes konnte er Spannung aufbauen und nicht abstürzen lassen, sogar die gebotenen Klangschmeicheleien und Kraftausbrüche erzielen.Gwendolyn Bradley fand für die diesseitige Erzählung von den himmlischen Freuden den beherzten Tonfall zwischen volkspoetischem und dramatisiertem Orchesterlied, wiegte und wägte ihr in allen Lagen gleich anmutigen Sopran.Von Erwin Schulhoff stand dann das Konzert für Klavier und kleines Orchester von 1923 auf dem Programm.Die Nazis verbrannten seine Partituren und am Ende auch den Menschen.Von der Wissenschaft rehabilitiert, von immer mehr Musikern gerne gespielt, wurde er auch dieses Mal vom Publikum genossen.Seine große Liebe zu Rhythmus und Ornament ließ ihn auch in seinem Klavierkonzert mit ärmlichen Intervallen umtreiben und seine grotesken Einfälle in bloße Motorik umkippen.Vladimir Stoupel luchste der Partie mit solistischer Finesse neben Energieschüben auch beseelte Momente ab.Franz Schuberts intimes, todergebenes d-Moll-Quartett klang in Gustav Mahlers eingangs gespielter Orchesterfassung zwangsläufig eingeebnet und intonationstrüb.

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