Kultur : ZURÜCK - KLASSIK

BORIS KEHRMANN

25 Minuten Bach vor der Pause, 30 Minuten Otto Nicolai danach, das ist nicht viel, wenn man festlich gestimmt in die Philharmonie kommt.Der Philharmonische Chor Berlin dürfte fast vollzählig auf dem Podium erschienen sein, um der inneren Größe von Bachs Magnificat-Kantate im Geiste der großen romantischen Singvereinigungen des 19.Jahrhunderts auch äußerlich ein imposantes Klanggewand umzulegen.Uwe Gronostay reicherte das Monumentalkonzept durch Elemente neuerer Ansätze an und schlug in den Chorsätzen energische Tempi, um das epische Klangmassiv durch federnde Motorik aufzulockern.Seine Sängerinnen und Sänger, die aus Liebhaberei und nicht aus Profession dabei sind, forderte er damit bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit.Auf welch natürliche Weise Darstellungsmittel und Darstellungsform zur Deckung kommen können, zeigte dagegen die 1832 komponierte Festmesse in D-Dur des Berliner Frühromantikers und Schöpfers der unverwüstlichen "Lustigen Weiber von Windsor", Otto Nicolai.Der in mächtigen Akkorden voranschreitende Satz ließ dem Philharmonischen Chor den nötigen Raum, sein schönes, sattes Timbre entspannt aufblühen zu lassen.Die nazarenerhaft-sanfte Harmonik machten den eigenständigen Reiz der wortarmen Teile aus, während die wortreichen nicht ebenso vorteilhaft den grandiosen Stil der Beethovenschen "Missa Solemnis" imitierten.Die überaus differenzierte Instrumentation mit ihren zahlreichen wechselnden Instrumentalsoli rückte das in erweiterter Besetzung angetretene Ensemble Oriol ins rechte Licht.Die vier Solisten Kirsten Drope, Bogna Bartosz, Jörg Dürmüller und Jörg Gottschick fügten sich geschmeidig in den durch fließende Wechsel von Chor- und Solo-Passagen charakterisierten Ensembleklang ein.

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