Kultur : ZURÜCK - Klassik

ISABEL HERZFELD

Haydn und Mozart, das verspricht Altbekanntes, den immer wieder aufgewärmten Klassik-Eintopf.Doch, daß die Tafelmusiken der alten Perrückenmeister exquisiter Ohrenschmaus sein können, frischer und bekömmlicher als mancher Romantik-Schinken in schwerer Gefühls-Soße, ist das neue Gourmet-Erlebnis im Kammermusiksaal der Philharmonie.Gut gelaunt und elegant serviert das Haydn-Ensemble Berlin den kulinarischen Hauptgang, ein Mozart-Divertimento: Unter dem Titel "Galimathias musicum" (musikalisches Kauderwelsch) faßt das zehnjährige Wunderkind Wolfgang Amadeus hier die Früchte seiner dreijährigen Reise durch Großbritannien, die Niederlande, Frankreich und die Schweiz zusammen, beweist mit flotten Jagdmusiken, prallen Pastoralen, schmachtenden Ariosi und tiefsinnig norddeutschen Fugati seine europäische Staatsbürgerschaft, doppelt und dreifach.Wunderbar ironisch darf Bernhard Hartog hier mit eitlem Violinsolo auftrumpfen, Hedwig Bilgram silbrige Cembalo-Kadenzen nur so abschnurren lassen, die Streicher gar Hochbedeutendes singen ("Eitelkeit! Eitelkeit!") - das alles damals vor gesellschaftlich hochgestelltesten Ohren aufgeführt.Humor, seine Hauptwaffe im abgeschiedenen und anstrengenden Dienst beim Fürsten Esterhßzy, wirbt auch zwei frühe Symphonien von Joseph Haydn: Noch voll abrupter, differenziert ausgeführter Wechsel in Rhythmus und Dynamik Nummer 18 in G-Dur, formal ausgewogener und voll vitalem Drive Nr.51 in B-Dur.Respekt für Stefan Jezierski und Manfred Klier, die noch die schwindelerregensten Horn-Höhen ohne Fehltritt erklimmen."Entre-Temps" für Oboe und Streichquartett des unlängst verstorbenen Japaners Toru Takemitsu ist in so viel Klassik-Dynamik von klangschön-unbewegter Ruhe.Und zeigt vor allem, daß der Ensemble-Leiter Hansjörg Schellenberger noch immer über einen geschmeidigen und ausdrucksreichen Oboenton verfügt.

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