Kultur : ZURÜCK - KLASSIK

PETER SÜHRING

Die Angst vor der eigenen Courage war spürbar, aber gebändigt von der sicheren Hand Leo Siberskis, der junge Musiker zu Höchstleistungen anspornen kann.Musik-Amateure aller Fakultäten sind vereinigt, um als Sibelius Orchester im Kammermusiksaal konzertreif aufzutreten.Mit Richard Wagners Liedern nach Gedichten von Mathilde Wesendonk leistete das Sibelius Orchester seinen Beitrag zum Abbado-Zyklus "Liebe und Tod", gab damit das an diesem Abend Bestmögliche, nämlich die ganze Tristan-Musik in erträglicher Pillenform, treibhausartig schwül verdichtet.Wagners Sprachschund um ein Geringes überlegen, animierten die Gedichte ihn zu narkotisierendne Elegien, von H.W.Henze antiromantisch und doch bitter-süßlich parfümiert.Die kammerorchestral geschrumpften Musiker pointierten die herben Timbres, während die Altistin Marina Borst auffallend sprachbetont, nicht brillierend, aber dafür umso bestechender mit verhaltenem espressivo sang.Was für ein pfiffiger, leicht demagogischer Komponist Wagner schon vor seiner Karriere als Drogenhändler war, zeigte seine Rienzi-Ouvertüre.Hier zeigte das Blech nicht nur, was es schmettern, sondern auch, was es an leiseren, runden Tönen hervorbringen konnte.Leo Siberski braucht sich in seinem Ehrgeiz, ein guter Wagnerdirigent zu werden, nicht zu bremsen, für den Zufall, daß diese weniger zufällig von Hitler so geliebte Musik ausgerechnet am 30.Januar gespielt wurde, nicht zu entschuldigen.Wie man überhaupt wegen schlechter oder mißbräuchlicher Musik sich kein schlechtes Gewissen wie im Programmheft machen sollte, dazu gibt es einfach zu viel von ihr, wie auch die 3.Sinfonie von Arvo Pärt, an die das Siberlius-Orchester gute Kräfte verschwendete.

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