Kultur : ZURÜCK - KLASSIK

PETER SÜHRING

Allein das Versprechen eines reinen Streichorchesters lockte mehr Publikum in den Kammermusiksaal, als das exotische Programm hätte vermuten lassen.Die zwölf Philharmonischen Streicher versetzten in ein plurales Europa des 18.Jahrhunderts zurück, das wir erst noch wieder vor uns haben.Musikalisch war es an diesem Abend schon da.Trotzdem packte den Kritiker zunächst das kalte Grausen, als er mitanhören mußte, was man Anton Weberns "Langsamem Satz" antat.Erstens sollte man ein Arrangement für Streichorchester netterweise auch so nennen, zweitens sollte man es lassen.Was Webern in diesem Streichquartettsatz an Zukunftsweisendem probierte, wurde hier in holde Streicherseligkeit vor die Jahrhundertwende zurückgekämmt.Peter Warlocks "Capriol-Suite" brachte charakterfest und rhythmisch anmutig diese Renaissance-Disputation zur Sprache.Arvo Pärts "Silouans Song" mag in seinem bequemen Strickmuster eines fetischisierten Dreiklangs zwar theologisch korrekt sein, musikalisch ist es völlig unergiebig.Gut plaziert aber war es vor Strawinskys äußerst unbequemem "Concerto en Ré", dessen Vertracktheiten völlig unverbiestert absolviert wurden.Quer durch alle Stimmen vollbrachten die Streichersolisten in Frank Martins Orchesteretüden ein Wunder der Simultaneität diverser Parallelaktionen.Nach einer sonoren Streichquartett-Einlage beider Bratschen und beider Celli war im fugierten Spiel des Schlußsatzes zwar, wie der Komponist es wollte, jeder und jedes an seinem Platz - woher aber kam trotz dieses Behagens die an diesem Abend unstillbare Sehnsucht nach einem von menschlichem Atem erzeugten Ton?

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben