Kultur : ZURÜCK - KLASSIK

FREDERIK HANSSEN

Bassisten haben es schwer: Während Tenören und Sopranen die Herzen zufliegen, wenn sie in der Oper verzweifelt um ihre Liebe kämpfen, fallen die Herren mit den tiefen Stimmen zumeist nur dadurch auf, daß sie der Grund sind für diese Gefühlsqualen.In Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium "Paulus" hatte der Staatsopern-Baß René Pape jetzt in der Philharmonie die Bühne mal ganz für sich allein - und er zauberte Charaktere zwischen den Stimmbändern hervor wie andere Trumpf-Asse aus dem Ärmel: Als Saulus schleudert er seinen Haß in den Saal, bis ihn der Herr von seinem hohen Roß und damit in Verzweiflung stürzt.Von seiner Blindheit geheilt, sinkt er in inbrünstiges Gebet, um am Ende als Paulus mit unerschütterlichem Gottvertrauen in den Märtyrertod zu geben.René Pape gibt mit enormer Ausdruckskraft jeder Facette des Jesus-Jüngers Profil - und wundarbar kraftvolle, samtig-geschmeidige Töne.Pape ist die Traumbesetzung für diesen "Paulus", den Dirigent Achim Zimmermann nämlich zusammen mit seiner bestens präparierten Berliner Singakademie als religiöses Musiktheaterwerk anlegt: Wenn der Chor erst die Steinigung von Stephanus, dann von Paulus verlangt, kommt opernhafte Dramatik auf.Das gefällt auch den Berliner Symphonikern, die motiviert auf Zimmermanns Konzept einsteigen.Die actionreichen Massenszenen bilden dabei gute Gegengewichte zu den erbaulichen Passagen des Gotteslobs, das die Singakademie im Verein mit dem Senri-Bach-Chor aus Osaka mal sanft, mal strahlend, aber immer präzie und textverständlich gestaltet.

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