Kultur : ZURÜCK - KLASSIK

ULRICH AMLING

Wer ein Star werden will, muß die richtigen Voraussetzungen dafür mitbringen.Für den Bereich der Bestseller-Klassik gilt: Es sollte ein dicker Tenor sein, der ganz lange ganz hoch ganz laut - nun ja - singen kann.Oder eine asiatische Kindfrau mit nassem T-Shirt und E-Geige.Nun gibt es neben diesen Breitwandhelden glücklicherweise noch Stars der Intimität, die in Hallen verloren sind und denen man am liebsten in kleinem Kreis lauscht.Sharon Kam ist eine solche Künstlerin.Sie spielt Klarinette: So innig, so subtil und doch so natürlich, daß die Grenzen zwischen Spielerin und Instrument, zwischen Atem und Klang schwinden.Eigentlich ist Sharon Kam eine Sängerin.Nachdem sie zuletzt kurzfristig beim Rundfunk-Sinfonieorchester mit Mozarts Klarinettenkonzert eingesprungen ist - und dabei Licht und Schatten dieses Stückes für die einsame Insel souverän auskostete - stellte sie diesmal einen Klarinettenabend im Kammermusiksaal der Phiharmonie vor.Schon die einleitenden Romanzen von Robert Schumann machen deutlich, wieso die 27jährige Musikerin aus Israel in nur wenigen Jahren zu internationalem Ruhm gelangte.Von technischen Hemmnissen gänzlich unbeeindruckt, widmet sich Sharon Kam leidenschaftlich einer Verfeinerung des Klangbildes.Die zwei von Melancholie geprägten a-moll-Romanzen drohen ihr nie im Trübsinnigen zu versinken, bleiben sie doch fein schimmernde musikalische Perlen - wenn auch graue.Kams superbes sotto-voce-Spiel erlaubt bei Debussys Rhapsodie Nr.1 delikate Nuancierungen, die hauchzart verwehen und die man deshalb am liebsten gleich noch einmal hören möchte.Daß sie aber auch blitzschnell zupacken kann, beweist Sharon Kam, am Klavier mit edler Kühle von Itamar Golan begleitet, bei Poulencs Sonate B-Dur mit Biß und unbändiger Spielfreude.

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