Kultur : ZURÜCK - KLASSIK

CORDULA DÄUPER

"Erleuchtungen" erlebt man an diesem Abend im Kammermusiksaal der Philharmonie: "Les Illuminations" heißt das Werk für Gesangsstimme und Streichorchester von Benjamin Britten aus den Jahren 1937-39. Und leuchtend ist auch das Klangerlebnis auf der Bühne. Die junge Sopranistin Anette Dasch ergreift das Publikum mit ihrer umwerfend schönen Stimme, ihrem Ausdruck, ihrer Erscheinung. Mit Wut, Lust und Wahn interpretiert sie den extrem schwierigen Solopart - in engem Zusammenspiel mit der sensiblen Solovioline und den forschen Streichern der Sinfonietta 92. Genauso irre und farbenreich wie Arthur Rimbaud seinen Gedichten "Les Illuminations" Worte verliehen hat, erfindet Britten eine dazu passende Klangwelt. Zu Beginn des Konzertabends hatte sich das gesamte Orchester in Mendelssohn-Bartholdys Ouvertüre "Das Märchen von der schönen Melusine" noch etwas unter Wert verkauft - in den Holzbläsern zu schüchtern, in den Streichern fehlte es an Homogenität. Dafür braust die Sinfonietta 92 dann in Rosettis D-Dur-Sinfonie "La Chasse" imposant auf. Das Werk im Stile Haydns strotzt vor Lust und raffinierter Unterhaltsamkeit. Die jungen Musiker geben genau diese Stimmung wieder, spielen mit Hingabe und ersichtlichem Spaß. Dirigent Uwe Sochaczewsky animiert und führt mit flotten Tempi durch das Werk. Vor allem den Streichern entlockt er einen kernigen Sound, der dem eleganten Pariser Stil der Sinphonie plastischen Ausdruck verleiht. Der Titel des zuvor erklungenen Bläserstücks von Poulenc könnte als Motto des Abends gelten: "Musique pour faire plaisir".

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