Kultur : ZURÜCK - KLASSIK

ULRICH AMLING

Sie liebt scharfgewürztes Essen, dazu ein kühles Bierchen und lacht gerne herzhaft: Montserrat Caballé ist eine Sängerin mit echten Open-Air-Qualitäten - Fans danken das der spanischen Diva auch in ihrem vierzigsten Bühnenjahr. Zum Abschluß des diesjährigen "Classic Open Air" zeigt sich der Gendarmenmarkt festlich von Parfüm- und Sektfahnen umweht und schließlich von einem nachtblauen Himmel edel überwölbt. Vor dem Portal des Schauspielhauses präsentiert die Caballé eine neue Folge ihres privaten Nachwuchsförderungsprogramms: Einen ordentlichen Anteil am abendlichen Arienaufkommen überläßt sie ihrer Tochter Montserrat Martí - einer zurückhaltenden jungen Frau, die weder das Temperament noch die einst einzigartige Stimme der Mutter ererbt hat. Dafür hat ihr Sopan noch hörbaren Halt, eine klare, manchmal etwas zu scharf umrissene Gestalt. Bei Mutter Montserrat ist dagegen alles im Fluß. Sie rutscht durch die Register und schiebt seufzend einen Vokalberg vor sich her. Schwerstarbeit in einer lauen Sommernacht. Alles für die Sängerjugend - und die weiß das gar nicht zu schätzen: Sonst hätte der Tenor Oscar Marin bei diesem Großauftritt einfach mehr Geistes- und Stimmgegenwart bewiesen. Am Dirigentenpult bietet José Collado dafür Großformatiges: Martialisch geschwungene Auftakte, gehüpfte Einsätze, durchnäßte Handtücher. Das Orchester, das sich davon überhaupt nicht aus der Ruhe bringen läßt, heißt "Anhaltische Philharmonie Dessau". So lastet der Erfolg des Abends ganz auf den Schultern der Diva. Bei den Zugaben setzt sie gezielt ihre wirksamste Bühnenwaffe ein: robusten Humor. Da springen die Fans von ihren Caballé-Sitzkissen. Die Diva walzt mit dem Tenor, ganz Lieblingstante in Sektlaune, und winkt die Tochter zum Katzenduett daran. Weit schallt ihr Lachen durch die Nacht.

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