Kultur : ZURÜCK - KUNST

ANDREA JULIETTE GROTE

Sie stehen überall, meist hinter Absperrungen, zwischen Baggern und Baugruben, auf Berliner Baustellen.Kleine, gelbe oder weiße, selten blaue Häuschen: die mobile Toilette.Dringend gebrauchte Rückzugsmöglichkeiten für das ureigenste Bedürfnis, das im Privaten und in der Einsamkeit vollbracht werden muß.Schon ungewöhnlich, wenn man neun von diesen portablen Plastikhäuschen in einem Ausstellungsraum, der Galerie urban issue, aufgestellt sieht.Der kleine Rückzugsort, den jeder respektiert, wird für den 1961 in Berlin geborenen Künstler Martin Schütze zum Artefakt und Symbol unserer Bedürfnisse im weitesten Sinne: Zu Hause macht jeder das, was ihn am meisten interessiert: träumen, Hobbys nachgehen und dabei an die Perfektion seiner privaten Obsessionen glauben.In seiner Installation geht es dem Künstler um die Diskrepanz zwischen dem, was der Mensch in seinen vier Wänden ist, denkt und tut und dem, was er nach außen hin repräsentiert.Öffnet der Galeriebesucher die Klotüren, die jeweils mit sprachlichen Gegenbegriffen zum Beispiel wie Paradies und Armut, Erkenntnis und Verlust beschriftet sind, kann er Photos, Objekte, Videos sehen, die sich auf die außen angebrachten Begriffspaare beziehen.Den Begriff Einsamkeit und Gleichklang zum Beispiel veranschaulicht Schütz durch ein Videotape: Eine Frau singt - aber nicht wirklich.Kein Laut kommt über ihre Lippen.Im Hintergrund hört der Betrachter einen mehrstimmigen Chor, und die junge Frau tut so, als würde sie mitsingen, ganz so wie wir es alleine in der Dusche tun.Sie singt und versucht mit anderen im Gleichklang zu sein

(bis 21.2.in der Galerie "Urban issue", Alte Schönhauser Straße 4, di., do., fr., 18-22 Uhr, sa., so., 16-20 Uhr).

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