Kultur : ZURÜCK - KUNST

RONALD BERG (Mai)

Gabriele Konsor geht es mit ihrem Auracor-Projekt, das zur Zeit im Künstlerhaus Bethanien zu sehen ist, um die Thematisierung von Grenzen und Differenzen.Ausgangspunkt war eine vor Jahren entworfene etwas kitschige Figur, im Aussehen zwischen "vaginalem Flugobjekt", "Kuschelfalte" und "Trinkerleber" schwankend, wie es Ausstellungsbesucher in Bremen einmal beschrieben haben, denen Konsor das Motiv auf die Kleidung stickte.Mit diesem Auracor genannten "Etwas" begann die lange Reise auf dem Grad zwischen Kunst und Marketing, Werbung und Design.Konsor brachte das Motiv auf Teller und bot sie zum Verkauf an, lud mit den branchenüblichen Broschüren zum Probewohnen in der Auracor-Musterwohnung und brachte einen Auracor-Fernkurs auf Video heraus, der die üblichen Selbstverwirklichungsmasche bei Malkursen vorführt und - halb ironisch, halb ernst - viel mit Camp zu tun hat, der bewußten Affirmation von Kitsch, Werbung und Spießigkeit als Geschmacksmerkmal für Eingeweihte.Trotzdem gibt es bei dem Projekt auch eine ernsthafte Seite, den erweiterten Kunstbegriff.Auracor bewirkt Kreativität: Die im Bethanien gezeigten Blätter mit Variationen über das Auracor-Motiv, die einer Schulklasse als Abituraufgabe abverlangt waren, sollen gleichzeitig zu einem Workshop der "Akademie AURACOR" einladen, der unter dem Motto steht: "Die Kunst, kreativ zu leben".Konsors Auracor-Projekt funktioniert wie ein Wackelbild: Je nachdem von welcher Seite man darauf guckt, schwankt es zwischen Konzeptkunst und Volkshochschulkurs.

Künstlerhaus Bethanien, Mariannenplatz 2; bis 2.Mai; Donnerstag bis Sonntag 12-19 Uhr.Workshops 1./ 2.Mai

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