Kultur : ZURÜCK - KUNST

KATJA WINCKLER

Haare zu lang und lange nicht mehr auf Kultur gemacht? Dann aber ab ins Gartenhäuschen am Prater.Hier servieren in der frisch eröffneten Ausstellung "Der Friseur" die Comic-Künstlerinnen LGX Lillian Mousli und EVELIN im Gefolge der Damen Ursula Steinwandel, Danielle de Picciotto und Sophie-Therese Trenka-Dalton neben Sekt und Wein schnittige Kunst.Wer will, kann sich umringt von den Ausstellungsbesuchern sogar einen netten Façonschnitt verpassen lassen.Von den anwesenden Künstlerinnen höchstpersönlich: Waschen, Schneiden und Fönen, das alles für nur 1 Mark 50, allerdings - darauf weisen die Hobby-Friseurinnen hin - "auf eigene Gefahr" (bis Sonntag jeden Abend von 18 bis 22 Uhr).In dem mit Liebe zum Detail ausgestatteten Gartenhäuschen ist es fast wie in einem echten Salon.Bürsten, Kämme, Haarlack und kleine Plastikrosen an den Spiegeln schaffen genau das richtige Ambiente für den kulturellen Beautytrip.Zur Entspannung gibt es jede Menge Frauenzeitschriften und Musik vom Dualplattenteller - am Freitag von Julius Nerdinger, Sonnabend von CX Huth und zur Finissage am Sonntag von EVELIN höchstselbst.Im letzten Jahr hatten die Künstlerinnen mit ihrem leckeren Projekt "Der Bäcker" für Furore gesorgt.Gab es damals Backwaren und Kunst vom Feinsten, dreht sich dieses Mal in den ausgestellten Bildern und Fotografien alles ums Haar.Wer sich auf einem der überhohen Frisierstühle niederläßt, wird allerdings das Gefühl des Ausgeliefertseins nicht mehr los.Und auch die Bilder sind alles andere als niedlich.Da ist die wenig vertrauenserweckende Meisterin im Kittel und mit schütteren Haarwürsten, gemalt von Lillian Mousli.Danielle de Picciotto hat gruselige Zukunftsfrisuren mit mutierten Physiognomien entworfen und ihre Kollegin Trenka-Dalton eine doppelköpfige Frau.Nur EVELINS großäugig unchuldig blickende Modelle vermitteln das Gefühl, daß die Welt (noch) in Ordnung ist.Schnipp, schnapp!

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