Kultur : ZURÜCK - KUNSTGEWERBE

KATJA WINCKLER

An einen vergangenen Badeurlaub denken, barfuß durch körnigen Sand gehen, Meeresrauschen. Daran erinnert das ineinander verschachtelte Arrangement - hummerfarben, muschelförmig und fein ziseliert. Darum nannte der amerikanische Künstler Dale Chihuly sein Glasobjekt auch "Shell-Studies". Ähnlich eindrucksvoll auch das von Karl Berg geschaffene und auf einen Sockel gehobene Kunstwerk. Ungewöhnlich präzis geschliffen spiegelt es in tausendfacher Brechung seine Umgebung wider und läßt so neue, ständig wechselnde Perspektiven zu. Beide Stücke entstanden in den 80er Jahren. Da war die sogenannte Studioglas-Bewegung schon im vollen Gange. Ihren Anfang hatte diese Kunstform bereits in den 60ern genommen, als Künstler überall auf der Welt begannen, in Studioateliers an kleinen Öfen - daher der Name "Studioglas" - eigenwillig geformte Glas-Objekte herzustellen. Sie wollten sich von den Produktionszwängen großer Glashütten freimachen. Und auch künstlerisch ging es den Kunsthandwerkern um mehr als Funktionalität. Sie wollten keine Blumenvasen oder Plätzchenteller herstellen, sondern machten sich auf die Suche nach neuen Ausdruckformen. Die fließen bei den rund dreißig Objekten, die derzeit im Kunstgewerbemusem am Kulturforum in der Ausstellung "Studioglas der 70er und 80er Jahre" zu sehen sind, unverkennbar mit ein: Mal sind es die verwischten Farben eines Aquarells, mal Schlangensymbole und aufgelegtes Blattgold, mal bestechen sie durch pure Leuchtkraft (noch bis 31. Juli). Die Kostbarkeiten gelangten erst kürzlich durch die Stiftung Finkbeiner in den Besitz des Kunstgewerbemuseums.

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