Kultur : Zurück - Lesung

ULRICH AMLING

Der Teufel ist ein jovialer Mann: Gütig sein Gesichtsausdruck, freundschaftlich forsch sein Geschäftston.Wenn Thomas Langhoff diesen "Engel des Giftes" spricht, dann hört man ihn berlinern.Zur totensonntäglichen Matinee im Deutschen Theater hatte sich der Hausherr Thomas Mann Doktor Faustus vorgenommen.Zum "partner in crime" wählte Langhoff Jörg Gudzuhn als deutschen Tonsetzer Adrian Leverkühn."Wo der Hochmut des Intellektes sich mit seelischer Altertümlichkeit und Gebundenheit gattet, da ist der Teufel", hatte Mann in seinem Vortrag "Deutschland und die Deutschen" im Mai 1945 den Amerikanern erklären wollen.Diesen Hochmut, diesen einsamen Geist, der sich von den Menschen fernhält, trifft Gudzuhn mit kalt-spöttischem Tonfall.Sein Zwiegespräch mit dem Teufel bildet das Herz der Lesung, sein Schwanken zwischen Ekel und Erkanntsein."Begabt, aber lahm ist der Deutsche", lockt der Belzebub und beruft sich dabei auf ein Bismarck-Wort: "Der Deutsche braucht eine halbe Flasche Champagner, um auf seine natürliche Höhe zu kommen." Ein deutscher Meister, dieser Teufel.Er stellt das Stundenglas: Genau 24 Jahre bleiben von Leverkühns Leben, als es abgelaufen ist, verschwindet das kalte Blau des Bühnenhintergrunds.Rot flammt auf, so heiß, wie Kälte zuvor kalt war, Leverkühns Geist verzehrend.Lapidar, komisch, allzudeutsch: Die Auszüge aus Thomas Manns Sammelbiographie eines dem Teufel anheimgefallenden Volkes verfehlten im Deutschen Theater ihre Wirkung nicht."Paßte doch ganz gut zum Totensonntag", hört man es beim sorgfältigen Einhüllen in die Winterkleidung oft sagen.Ein Kompliment ersten Ranges.

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