Kultur : ZURÜCK - METAL

VOLKER LÜKE

Das Hirn voll Chemie, den Soundtrack für einen Biker-Movie im Hinterkopf, das Wah- Wah-Pedal bis zum Anschlag durchgetreten: so donnern Monster Magnet aus New York seit zehn Jahren auf den Spuren von "Hawkwind" und "Black Sabbath" durch blubberndes Gelände.Eine Band, die pene- trant alle Hardrock-Klischees imitiert, demontiert, zusammenstaucht, angeführt von David Wyndorf und seinen Vorstellungen einer bunten Drogen-, Sex- und Biker-Welt, ausgestopft mit allem, was Metal zu bieten hat: böse Geister, schwarzer Himmel, Vampire, Hexen, Aleister-Crowley-Zitate, Zahnschmerzen und ewige Verdammnis.Bei der live-haftigen Umsetzung am Montagabend in der Columbiahalle funktioniert der Feierabend-Hokuspokus als coole Inszenierung gemächlicher Rituale, wobei ein Gitarrist ein T-Shirt mit der "666" trägt und Wynford jesusrockermäßig als Hohepriester glänzt.Ihre satanischen Liedwerke werden dabei von einem durchdringenden, stumpfen Beat zusammengehalten, angereichert mit großangeleierten Intros und krachtrockenen Schweinerock-Gitarren, während ein wirklich bemerkenswertes Publikum in wallendem Bierdunst steht: Kinnbärte, Tätowierungen und Piercing, wo es nur geht.Auch ein paar originale Asbach-Uralt-Lederrocker, die schon seit der Tattoo-Messe vom Wochenende hier sein müssen.Nach 90 Minuten Spielzeit schleudert die Band mit "Space-Lord" den Hit vom aktuellen Album "Powertrip" von der Rampe, als Zugabe eine ausschweifende Tantra-Metal-Nummer, die sich geschmäcklerische Leute nie leisten würden.

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