Kultur : ZURÜCK - Musik

PETER SÜHRING

Es muß wirklich erhebend sein, einmal aus dem Orchestergraben ins Rampenlicht des Schauspielhauses zu dürfen, denn das Orchester der Deutschen Oper spielte unter dem willensstarken und sensiblen Paolo Carignani fast tadellos und bot eine exzellente Interpretation der a-Moll-Sinfonie von Mendelssohn.Es war keine italienische Schottische, sondern eine betont dramatische, ja tragische.Mit schwerblütigem Gewicht auf den tiefen Streichern verdeutlichte Carignani die zwölf Jahre Abstand, die Mendelssohn brauchte, um die Einflüsterungen der schottischen Landschaft in den sinfonischen Griff zu kriegen.Die Verzweiflung darüber, wie ungenügend Klangvorstellungen gegenüber Naturerscheinungen sind, ist mit hineinkomponiert und wurde hörbar.An entscheidender Stelle organisierte Carignani Ermüdung und Rückzug von der aussichtslosen Tonschlacht.Bei der Cellini-Ouvertüre von Berlioz war das Opernorchester im ureigensten Element.Einige Musiker hätten zwischen den Turbulenzen des römischen Karnevals und der schottischen See lieber eine ruhige Mozartkugel geschoben.Das aber ließ das schillernde C-Dur-Klavierkonzert, KV 467, nicht zu.Wie pflichtvergessen Mozart bei diesem Werk war, wie wenig er sich dabei in die Sonatensatzform zwängen ließ, konnte man hören.Mitanzuhören war auch, wie schwer es dem Orchester fiel, diesen Reichtum zum Klingen zu bringen.Der Pianist Markus Groth, gerade so alt wie Mozart, als er das Konzert 1785 schrieb, wagte und gewann die Kür - vom ersten liebenswerten Triller bis zum Schlußakkord modellierte er alle asymetrischen Figuren gewissenhaft, mit fliegenden Anschlagwechseln, ließ sich nicht zu Ausschmückungen hinreißen, spielte das Andante gestochen ruhig, seine selbstgefertigten historisierenden Kadenzen hätten einem zeitgenössischen Komponisten alle Ehre gemacht.

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