Kultur : ZURÜCK - OPERETTE

JÖRG KÖNIGSDORF

Kunst, wir wissen es, war schon immer gut, versunkene Herrlichkeiten verklärend zu betrauern.Kaum hat sich die EG entschlossen, endlich dem umstrittenen Butterfahrtsunwesen den Garaus zu machen, da ist auch schon ein Bühnenwerklein erstanden, das altbundesrepublikanische Seniorenvergnügen mit quasiposthumem Glorienschein zu umgeben.In Gestalt einer Operette natürlich, der Kunstform, die seit jeher kleinbürgerliche Traumwelten zum Thema hatte.Die mutieren in Ulrich Bauers einstündiger "Butterfahrt" allerdings schnell zu Alpträumen.Kühn wagt der eifrige Operettenschöpfer im dritten Teil seines "Viermädelhaus-Zyklus" den Sprung in die Groteske.Das muß im Saalbau Neukölln mit einfachsten szenischen Mitteln auskommen, und eine knappe Handvoll ausgiebig belachter Details zeigen zumindest, daß die Beschränkung den Reiz des Absurden sogar noch erhöhen kann: Wenn etwa die Butterfahrerinnen im quietschgelben Autobus gen Polen schaukeln, muß eine vorbeigleitende Yucca-Palme genügen, die vorbeigleitende Landschaft zu illustrieren.Leider sät Regisseur Martin Verges seine Einfälle zu sparsam, um dem Stück über die langen Durststrecken des Librettos hinweghelfen zu können.Schnell fasert der in der Eingangsszene noch hinreichend rasant entrollte Handlungsfaden aus, die Stückdramaturgie verschwindet zugunsten einer Reihung mäßig einprägsamer Couplets.Die vier Mädel präsentieren sich zwar als originelle Berliner Frauentypenriege, ihre Talente gehen aber nicht wesentlich über bloßes Da-Sein hinaus.25 Mark sollte man dafür niemandem abverlangen

(19.u.20., 25.-27-2., 4.-6.3., jeweils 20.30 Uhr).

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