Kultur : ZURÜCK - PARTY

KATJA WINCKLER

Wenn ein Club sexy sein will, dann nennt er dies beim Namen: "Club 69".Seit über drei Jahren tagt die Tanz-Veranstaltung in den Räumen der Kalkscheune.Und auch zu Jahresbeginn öffneten sich die morschen Türen vor allem für die Brüder und Schwestern der schwul-lesbischen Gemeinde.Retro-Musik versprach das psychedelische Plakat mit einem süßen Schlaghosenmädel und einem weißen Kitsch-Pudel.Der angekündigte musikalische Rückblick fing zunächst einmal gut an: Mit schön bunten Werbedias für Afri Cola, "Bravo" oder Katja Ebsteins heißen Scheiben.Gutgelaunte Transen schenkten Moet Chandon zu 120 Mark die Flasche aus, außerdem gab es eine kuschelige Lounge fürs Chill out.Den musikalischen Klangteppich sollten die drei Djs Steffi Love, Joschie und D.Light ausbreiten.Doch was so liebevoll begann, wurde nicht nur belohnt: Denn schon zu Beginn spielte die Technik verrückt.So wurden die heißen Rhythmen wie ein Coitus interruptus immer an den schönsten Stellen unterbrochen.Das war nicht besonders professionell, sondern wie früher auf den selbstorganisierten Schulfeten.Daß die monotonen, einfallslos heruntergespielten Disco-Beats fast nur die achtziger Jahre mit Prince beispielsweise oder Kim Wilde streiften oder sich mit gefälligen Publikumsheulern wie Gloria Gaynors "I will survive" abwechselten, hielt aber die wogenden Publikumsmassen keineswegs davon ab, nach Herzenslust zu tanzen und - auch wichtig - zu flirten.Besonders retro war das Klangerlebnis nicht.Trotzdem strömte unermüdlich ein durchgestyltes, hauptsächlich männliches, so gar nicht flippiges Publikum in den aufgeheizten Tanzsaal.Nach kurzer Zeit war denn fast kein Durchkommen mehr.Und noch in den frühen Morgenstunden begehrten die Schönen der Nacht Einlaß.So ausschweifend allerdings, wie der Clubname vermuten ließ, war die Partynacht doch nicht - oder ging in der Menge dezent unter.(Der nächste "Club 69" findet am 6.Februar statt.Kalkscheune, Johannisstr.2, in Mitte).

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