Kultur : ZURÜCK - PERFORMANCE

CORDULA DÄUPER

In der Parochialkirche ist ein Centercourt aufgebaut: Die Kirchenbänke zugunsten von Filzboden und gespanntem Netz zur Seite gerückt.Hoch oben ans Backstein-Gewölbe wird ein Bild projiziert.Hinter dem Spielfeld sind Soundanlage, Xylophon und fünf gelbe Zelte aufgebaut.Was wird in diesen sportlich-sakralen Kulissen passieren? - Fünf potentielle Arbeitslose in keusch weißer Tenniskleidung der 80er Jahre stellen sich vor - wirken dabei weder "frisch, sensibel noch sportlich".Sie stehen direkt vorm Publikum: dünne, bleiche Männer ohne Ausstrahlung und rhetorische Künste.Den monoton, trockenen Tonfall werden die Jungs den ganzen Abend nicht mehr los.Langatmig wie Wissenschaftvorträge ergehen sich die Sportsfreunde in Abhandlungen über Bäume, die bleiben, wo sie stehen und Leute mit Verdauungsstörungen.Der eine erzählt, er male, wenn er eine rote Tür sehe, die Tür schwarz an.Ein anderer spricht vom gleichmäßigen Geräusch des Kauens.Dazu tänzeln oder spielen - in Variationen von Rollsesseltennis bis "Wer trifft den Ball am beklopptesten nicht" - die jeweils nicht plappernden Männer auf dem Spielfeld herum.Mal begleitet von elektronischer Musik, dann schneidet jemand auf der Projektionsfläche Gurke.Grand Slam - Spiel in fünf Sätzen der Gruppe "showcase beat le mot" bringt nicht annährend so viel Nervenkitzel auf den Court wie ihre Sportkollegen in Wimbledon.Die sind nämlich mit Leib und Seele dabei, während die Performer ihrem Motto "Alles soll abstrakt wie die Sau" sein, gerecht werden, nur leider jede gute Idee im unterkühlten Ansatz hängen bleibt.Aber eins lernt man doch: "Thirty - love" heißt es im Tennis, also muß das Ziel dieses Spiels die Liebe sein.

(Wieder vom 6.bis 8.Mai, jeweils um 21 Uhr)

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