Kultur : ZURÜCK-POP

SUSANNE MESSMER

Unter solchen Menschen kann man sich unheimlich verkommen vorkommen: Im Knaack scheinen an diesem Abend nur die Hartgesottenen versammelt: Punkrocker mit Nietengürteln, Tätowierte, Toupierte und Sonnenbrillen.Mit einem Bier in der Hand stehen sie dicht gedrängt und schütteln in freudiger Erwartung ihre Mähnen.Und natürlich fangen Gluecifer verspätet an: erst nach elf.In goldenen Hemden sprinten sie auf die Bühne.Der Jubel ist groß.Wer hat eigentlich gesagt, daß Rock tot ist? Und daß nichts langweiliger sei als griffige Gitarrenläufe, absehbare Songstrukturen und ein Schlagzeug, das immer schon wutentbrannt drei Songs weiter zu sein scheint als der Rest der Band? "I got a mission and I call it speed": Was diese Schweinerocker aus Norwegen da veranstalten, ist nichts Neues.Iron Maiden Fans, die sie sind, verwursten sie so ziemlich alle Klassiker des Hardrock und mischen außerdem dreist eine Portion Rockabilly dazu.Ihre Gitarren klingen trocken und steinern, sind aber immer präzise und transparent gespielt.Nur ab und zu jault mal eine kitschig auf wie beim Heavy Metal.Die Musiker haben ihre malträtierten Gitarren irgendwo auf Kniehöhe hängen und tun so mächtig und wurstig wie ihr Sänger, der ausschaut wie ein dickes Riesenbaby, das wirklich sehr schön singen kann.So richtig übel kann man ihnen all das trotzdem nicht nehmen.Vielleicht sind es die ironischen Las-Vegas-Hemdchen, vielleicht ist es die Tatsache, daß sie aus dem hohen Norden kommen oder daß sie einfach manchmal verschmitzt ins Publikum grinsen: Hier darf ungebrochen gehüpft und gelacht werden.Nur eines muß abschließend unbedingt mal gesagt werden: Stagediving sieht einfach blöd aus, wenn man wegen fast ebenerdiger Bühne nicht ins Publikum runterfallen kann, sondern aufs Publikum draufklettern muß.

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