Kultur : Zurück - Pop

H.P.DANIELS

Spätestens seit Nick Hornby wissen wir: der wahre Musik-Fan hat eine Schraube locker.Und liebt es, Listen zu machen: "Bester dritter Titel auf der B-Seite einer LP".Kommen wir zur Liste der "Besten mißratenen Konzerte".Und erinnern uns an Townes Van Zandt, der einmal volltrunken gegen die Wand auf der falschen Bühnenseite rannte in der Annahme, er käme da raus.Oder Alex Chilton, der sein Konzert abbrach inmitten einer Rundfunk-Live-Übertragung.Fügen wir der Liste Elliott Smith hinzu mit seinem Auftritt vom Sonnabend.Ein Trauerspiel.Mehr Zuschauer als Platz haben drängeln sich im Knaack, um den Singer-Songwriter zu erleben, der mit seinem Beitrag zum Film "Good Will Hunting" schlagartig bekannt wurde.Smith ist kein heiterer Mensch, das sieht man sofort.Hinter seinem traurigen Blick läßt sich eine depressive Dunkelheit ahnen, so düster, daß er von Glück sprechen kann, diese außergewöhnliche Begabung zu haben: den Schmerz umzuwandeln in zauberhafte Songs.Im Konzert läßt sich der Mißmut nur sehen, die musikalischen Qualitäten bestenfalls ahnen.Zu hören ist ein grauenhafter Klangbrei.Die Lautsprecher knattern, als wären alle Membranen gerissen, der Baß klingt wie ein drohend anrollender Orkan, der gnadenlos die schönen Songs "Bled White" und "Waltz No 2" plattwalzt."Sounds like shit", sagt Smith und geht nach einer halben Stunde von der Bühne.Ratlosigkeit.Dann kommt er wieder, entschuldigt sich, quält sich durch weitere vier Songs."Sorry.Thanks, goodnight!" nach einer Dreiviertelstunde.Vielleicht hätte Smith die Totenstille im Publikum nutzen sollen, alle Geräte auszuschalten, und es einfach so zu versuchen, mit einer Akustikgitarre.So bleibt nur die Hoffnung auf ein Versöhnungskonzert.Das Album "XO" setzen wir inzwischen auf die Liste der "Besten Platten des Jahres".

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