Kultur : ZURÜCK - POP

VOLKER LÜKE

Front 242 gehören zu den Mitbegründern der sogenannten Electronic Body Music, das Ding nach Kraftwerk und vor Techno, geschaffen für das Verlangen junger Leute ihre Körperbewegungen dem Groove elektronischer Maschienen anzupassen.Passend zum Comeback der 80er Jahre haben sich auch Front 242 zusammengerauft.Nicht ganz zu unrecht, denn schließlich werden die Belgier von einer konstanten Anhängerschaft verehrt, die bei ihrem Auftritt in der Arena begeistert die Arme in die Höhe reckt und alle Kommando-Brüll-Refrains ohne Mühe mitsingt.Einer trägt sogar einen selbstgestricken Wollpullover, auf dem "242" steht.Von Nebelschwaden umhüllt, füllen die Frontkämpfer die Halle mit ihrem Synthie-Quiek-Collagen-Lärm, bis sich der Magen hebt.Elemente, die als elektrisierende Spezialeffekte dem körperbetonten Beat die gebotene Härte geben sollen, stürzen ungefiltert auf die Hörer ein - ein Gemetzel aus Staccato-Bässen, fiesen Fiepgeräuschen und martialischem Schlagzeug, eine Mischung aus Simple Minds, Dr.Motte und konventionellem Gabba-Gebretter, weit weg von allem, was es auch in schön, wenigstens aber in interessant gibt.Dazu Blendlicht und Stroboskop-Gewitter, bis die Netzhaut glimmt.Tarnnetze und Kampfanzüge von früher sind beiseitegelegt.Für Leute, die Militär sexy finden, sind die zakigen Ufta-Ufta-Marschrhythmen geblieben, unterlegt von nordkurvenfähigen Mitgröhlkehrreimen mit dem entsprechenden maskulinen Harmoniebedürfnis."Back for the Leader" brüllt der Sänger mit den orangenen Haaren bei der ersten Zugabe, am Merchandising-Stand verkaufen sie ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Harte Elektros tanzen nicht!" - die Maschiene läuft, die Halle vibriert, es riecht nach Kabelbrand und der Alt-Fan fühlt sich wohl wie ein Guerillia im Nebel.

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