Kultur : ZURÜCK - POP

KATJA WINCKLER

Für Gerechtigkeit muß man zuweilen auch mal abdrücken.So jedenfalls sahen das die Kommissare in den italienischen Krimifilmen der siebziger Jahre, die in der Zeit der Schlaghosen, engen Rollkragenpullover und Plateauschuhe Kinotrends setzten.Logisch, daß zu Gaunern, rassigen Vollblutweibern und dem beliebten Maurizio Merli - dem Mann mit dem blondesten Schnauzbart weit und breit - heiße, groovige Sounds gehörten wie pasta zu pesto.

Am Wochenende präsentierte das süddeutsche Plattenlabel Crippled Dick Hot Wax auf seiner Record-Release-Party diese frisch ausgegrabene Krimi-Musik mit dem CD-Titel "Beretta 70" im Roten Salon der Volksbühne.Serviert wurden die rasanten Beats durch DJ van Bach in dem gemütlichen, schummrig-rot beleuchteten Raum.Vorher allerdings sollte das zahlreich erschienene Publikum noch in den Genuß einer Live-Einlage der labeleigenen Band Dandruff Deluxe kommen: Fünf schnittige Anzug-Jungs aus dem Schwarzwald, die einen bunten Mix aus Surf, Lounge, Jazz und Noise auf der kleinen Bühne spielten und zumindest die ersten Reihen des Publikums zum Zappeln brachten.Mit drei (!) Gitarren, einem Baß, Schlagzeug und Orgel fabrizierte das Quintett ein etwas sinuskurvenförmiges Programm.In mehr als eineinhalb Stunden überzeugten sie besonders durch ihre in affenartigem Tempo gespielten Instrumentalstücke.Auch die Gesangseinlagen konnten sich hören lassen.Doch was vielversprechend begann, verpuffte im Einerlei der Endlosschleifen.Da konnte auch ein Halb-Striptease des Sängers Howard Lespie nicht mehr viel retten.Da wollte man am liebsten abdrücken.

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