Kultur : ZURÜCK - POP

PEER HEINLEIN

"Unterwegs im Dienste des Sozialismus" ist das schwedische Duo IFA Wartburg, der wohl einzige noch singende Fanclub der DDR.Seit fünfzehn Jahren bejubeln sie die FDJ, Frau Gorbatschova und das Land der Kosmonauten.Vergangenen Mittwoch wurden Hammer und Sichel im Glashaus der Arena in Treptow gehißt.Aber nein, Ewiggestrige sind die beiden beim besten Willen nicht.Wovon sie singen, wissen sie nur von Bildern, Filmen oder Büchern.Die DDR hatten sie nie betreten.Doch was man im fernen Stockholm vom gelobten Arbeiter- und Bauernstaat sah und hörte, hat wohl Eindruck gemacht.Die DDR avancierte in Schweden zum Land mit Kultstatus.Zu grotesk, um vergessen zu werden, zu absurd, um nicht auf die Schippe genommen zu werden.Die singenden Schweden Magnus "Rolf" Michaeli und Nils "Heinz" Lundwall sind Musiker aus Leidenschaft, nicht aus Begabung.Einen Einsatz verpaßt, eine Textzeile doppelt gesungen und eine improvisierte Bühnenshow mit Weißkohl, Sellerie, Blockflöte und Overheadprojektor.Pardon: Polylux.Wenn nicht immer alles gelingt, macht das nichts.Im Gegenteil, gerade das erhöht den Spaßfaktor erst richtig, das ist es, was IFA Wartburg auf der Bühne vorlebt: DDR life.Auf deutsch singen sie, doch verstehen tun sie es nicht.Die Texte sind mühsam mittels Wörterbuch und Reimlexikon übersetzt, die Ansagen werden langsam und stockend von einem Zettel abgelesen.Umso erstaunlicher, daß die beiden so manche Feinheit deutsch-deutscher Geschichte treffen, die anderen noch nicht einmal richtig bewußt geworden ist.Doch auch dieser nostalgisch-ironischer Ausflug findet ein jähes Ende, gerade mal eine Stunde lang reicht des Repertoire, dann wird man ohne Federlesens zurück in die kalte Welt des Kapitalismus geschickt.Oh, gelobtes Kosmos-Land!

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