Kultur : ZURÜCK - POP

NILS MICHAELIS

Von Tarkan sieht man zum Auftakt seines Konzertes nur die Silhouette.In einer Wolke aus Kunstnebel gehüllt und von hinten mit grellen Scheinwerfern angestrahlt, verharrt der türkische Star in einer ziemlich pathosdurchtränkten Pose.Okay, das ist vielleicht ein bißchen lächerlich, aber vor allem auch: es ist Pop! Und das hat das Publikum natürlich längst begriffen und rast vor Begeisterung.Endlich leuchten die Scheinwerfer von vorn.Tarkan, in voller Montur.Das Kreischen in der vollen Columbiahalle wird zunehmend lauter und immer schriller.Doch noch trägt Tarkan seine Sonnenbrille! Wird es Ohnmachtsanfälle geben, wenn er sie abnimmt? Wird die Stunde der Sanitäter und Sauerstoffzelte schlagen? Dann nimmt er sie tatsächlich ab und seine Blicke blitzen, was die blauen Augen hergeben.Die Reaktion ist begeistert, aber nicht endlos frenetisch.Szenen, wie man sie aus Auftritten von Boygroups kennt, wollen sich nicht so recht einstellen.Vorn an der Bühne erkennt man zwar fast ausschließlich türkische Mädchen, doch die wirken eher gelassen euphorisiert statt haltlos entrückt.Der gutausehende Tarkan, ein perfekter Tänzer obendrein, benimmt sich nicht als Macho, sondern begibt sich gutgelaunt und modebewußt in die Rolle des Lustobjektes.Die Musik ist ein cleverer Mix aus Orient und Disco.Im hinteren Teil des Saales mischt sich das Publikum: Das Spektrum reicht vom Urberliner im vorgerückten Alter bis zum ausgelassen grinsenden türkischen Vater mit Sohnemann auf den Schultern.Die blondierte türkische Diva steht neben der ebenfalls blondierten Neuköllnerin.Frauen, die aussehen wie deutsche Lehrerinnen, sind ebenso vertreten wie Studenten.So sitzt man gemeinsam im gleichen Boot, der souveräne Lotse heißt Tarkan.

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