Kultur : ZURÜCK - ROCK

KAI MÜLLER

Ihr Markenzeichen ist eine Clownsvisage, deren feistes Grinsen wie eine Heimsuchung wirkt. Auf ihrem jüngsten Album "Kopfschuß" streckt diese Narrenmaske dem Betrachter eine Knarre entgegen, Finger am Abzug, und man schaut direkt in die Mündung. Megaherz spielen mit dem Schock der unmotivierten, zynischen Gewalt. Die Münchner Dark-Metal Band will seinem Publikum "eine verpassen" oder "eins in die Fresse geben", wie sie verkünden. Dabei scheint niemand im ColumbiaFritz etwas gegen sie einwenden zu wollen. Aber egal: Prügel tun immer gut. Die Band um den glatzköpfigen Sänger Alexx W. bewegt sich mit satten Gitarren-Riffs, gurgelndem Gesang und mystischen Endzeit-Texten im Fahrwasser von Rammstein. Obwohl sie nicht ganz so versessen sind auf die dämonische Selbstüberhöhung, suchen auch sie nach der Provokation. Mit Motiven aus der deutschen Märchenwelt und bewußt orgiastischen Todes-Sehnsüchten wollen sie den Konventionen einer verlogenen Freundlichkeit zu leibe rücken und sind doch bloß nur Spiegelbilder der von ihnen attackierten Spießigkeit. So wird in einem Song wie "Hänschen klein" das niedliche Kind von einem grausamen, bösen und unmotivierten Terror überfallen, der sein Opfer nicht nur zerstört, sondern verhöhnt. Und das Publikum darf mitfeiern, darf sich an solchen Hinrichtungsphantasien ergötzen, die immer wieder die gleiche Botschaft vermitteln: Bleib zu Hause und verhalte dich ruhig. Natürlich folgen Megaherz einer reaktionären Psychopolitik mit deutschtümelnden Ressentiments. So fällt ihnen zum goldenen Schuß des Heroin-Junkies nichts besseres ein, als daß der tödliche Stoff "direkt ins Blut" gelangt. Aber man fragt sich, ob sie das nötig haben. Denn die Musik des Quintetts strebt in eine ganz andere Richtung: Sie ist von einer abgeklärten, aber groovigen Härte, ein solides Kraftpaket.

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