Kultur : ZURÜCK - TALK

NINA PETERS

Wenn Diedrich Diederichsen, westdeutscher Pop-Theoretiker, in einem sprachlich verworrenen Artikel im Berliner Stadtmagazin "tip"Õeine Diskussion zu Form und Inhalt auf der Bühne ins Rollen bringt, dann darf da nachgehakt werden.Denn die Frage, ob die Darstellung von Gewalt durch Medien nicht mehr verlangt als eine reine Nachahmung dieser Kommunikationsmittel, ist berechtigt.Die Projektion von Computerspielen in Frank Castorfs "Terrordrom" an der Volksbühne sei plumpe Medienkritik.Die schauspielerische Darstellung unvergleichbar raffinierter.Die Volksbühne lud darauf zur Podiumsdiskussion.Ohne Castorf.Dafür mit dem ostdeutschen Publizisten Friedrich Dieckmann.Der Mensch aus Treptow und der westdeutsche Diederichsen - geht es kontroverser? In ihrem Humor, der zu Mißverständnissen führte, in der Argumentationweise, in den Argumenten selbst.Wenn Dieckmann in "Terrordrom" eine notwendige Bestandsaufnahme von Gewalt sieht, die gerade durch die Medien jeglichen sozialen und politischen Sinn verloren habe, kontert Diederichsen nonchalant: Den Medien werde ein Bezug zu Gewalt angedichtet.Im Grunde seien sie gewaltfrei.Buh-Rufe.Wer Medienkritik aus Angst vor einem eigenen westdeutschem Provinzialismus verniedlicht, provoziert anstatt zu relativieren.In einem Punkt schließlich Einigkeit: Das Stück sei eine Selbstanalyse der Volksbühne.Die Verwandlung eines terroristischen Zeichens in ein Markenzeichen beschreibt die Situation eines Theaters, das Gefahr läuft, sich zum Markenzeichen zu verdinglichen.

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