Kultur : ZURÜCK - THEATER II

RAOUL FISCHER

Ein Wohnwagen, der DDR-Nostalgie verströmt.Campingmöbel Marke Gartencenter.Ein schiefes Vordach aus Wellplaste über einer Metalltür.Daneben ein Kühlschrank, auf dem in einem Vogelbauer Büchsenbier steht.Und dazu "Frozen" von Madonna und Vogelgezwitscher aus dem Off.Nach einiger Zeit öffnet sich die Metalltüre, eine junge Frau im Siebziger-Jahre-Nylonnachthemd mit sehr weißen nackigen Beinen betritt die Bühne und beginnt zu frühstücken: Cola, Zigarette und ungetoastetes Toastbrot mit Sahne aus der Spraydose - das Publikum stöhnt auf.Wie mancher Abendhimmel zu rot, ist das Stück "Die Mitschuldigen" in der Inszenierung der Campingbühne zu bemüht.Was hier im Theater zerbrochene Fenster frei nach Johann Wolfgang von Goethe auf die Bühne gebracht wird, strapaziert das Klischee bis an die Schmerzgrenze.Es könnte ein vergnügliches Lustspiel um Beziehungswirrwar und falsche Moral sein, ist aber bemüht aktuell und symbolisch.Beispielsweise, wenn sich die Darsteller Sahne aus der Dose in den Mund spritzen, um sexuellen Frust abzubauen.Auch Goethes Sprache ist stark nachbearbeitet worden: durchsetzt mit Neudeutsch, vornehmlich aus dem Bereich unter der Gürtellinie.Grotesk - Kann das ein Publikum überhaupt aushalten? Es kann.Ganz artig.Obwohl die Schauspieler teilweise schwer zu verstehen sind, und der Spannungsbogen auch über die Dauer von eineinviertel Stunden nur schwer gehalten wird.Am Ende wird applaudiert.Noch einmal ein Blick auf den Programmzettel: Auf der Rückseite findet sich ein Artikel über den Besuch Steven Spielbergs im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen und ein anderer über die Verurteilung einer Mutter, die ihre kleine Tochter auf die heiße Herdplatte gesetzt hat.Was das mit dieser Inszenierung der Mitschuldigen zu tun hat, bleibt dem Kritiker verschlossen.Offensichtlich fehlt ihm ein Gen

(Bis zum 17.Mai, jeweils Donnerstag bis Montag um 20 Uhr 30).

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