Kultur : ZURÜCK - THEATER

FRANK DIETSCHREIT

Ford schweigt.Und grinst müde.Er ist sprachlos und abgekämpft.Denn nachdem der introvertierte Filmemacher seine frisch vermählte Gattin Amanda hatte sitzen lassen, vergnügte er sich zwei Wochen lang mit Serge, dem schwulen Model.Jetzt steht Ford plötzlich wieder in der Tür, und Amanda, die eben noch einer wildfremden Telefonistin ihren Liebesfrust durch die Leitung gekotzt hat, will nur noch eines: mit Ford ins Bett.Sex als Überlebensmittel.Wer keinen hat, muß Fett anfressen.Oder sich erschießen.Wie Otto.Aber das ist eine andere Geschichte."The Food Chain", von der englischsprachigen Truppe Out To Lunch mit boulevardeskem Charme auf die kleine Bühne der Friends of Italian Opera geknallt (bis 1.11., 20 Uhr), gehört zum Festwochen-Thema der "Next Generation" .Aber Autor Nicky Silver ist nicht so böse wie Mark Ravenhill oder Sarah Kane.Vergewaltigt wird niemand, und es werden keine Babys auf offener Bühne verspeist.Der Kannibalismus ist sublimer.Kommt in reißenden Wortkatarakten daher oder mutiert zu Freßorgien.Field Blauvelt (Otto) muß tütenweise Chips und anderen Unrat in sich hineinschaufeln und dabei den aberwitzigsten Blödsinn quasseln.Der schöne Serge (Cayton Nemrow) wird ihn trotzdem nicht erhören.Denn er ist scharf auf Ford, den Simon Newby (der auch Regie führt) als gelangweilten Schweiger spielt.Warum sollte er reden, wo doch alle anderen mit atemberaubendem Tempo Wortmüll hinauskatapultieren? Gegen Amanda hat er sowieso keine Chance.Wie Megan Gay ihre langen Klavierspielerhände spreizt und diese hyperneurotische, zigarettendünne Dichterin spielt, ist allein schon den Eintritt wert.

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