Kultur : ZURÜCK - THEATER

CHRISTINE WAHL

Das Ensemble des Theaterforums Kreuzberg will - so die Eigenwerbung - "eine Lücke in der Berliner Theaterlandschaft schließen." Die Lücke besteht in osteuropäischer Dramatik; und zu ihrer Schließung wird jetzt mit der deutschen Erstaufführung einer Produktion namens Der Kuhstall beigetragen.Jenen "Kuhstall", den der Autor Helmut Kajzar 1980 in Warschau selbst urinszenierte, hat man sich als polnische Version mehr oder weniger zusammenhängender Szenen aus dem Landleben vorzustellen.Es treten also auf: sprechende Kühe mitsamt Melkerin, ein Minister, ein Ingenieur sowie Schüler, die Oden an die "neue Elektrolok" ("Das wird für den Klassenfeind ein Schock") verfassen.Da nun aber der klassenfeindliche Schock nebst realsozialistischer Repressalien länger vorbei ist, verlegt sich die Crew um den Regisseur Hannes Kühl vornehmlich auf das im öffentlichen Bewußtsein populärere Motiv der Genmanipulation.Wenn dann also ein fanatischer Wissenschaftler an die Rampe tritt, ins Publikum: "Die besten von euch werden überleben" doziert und schließlich in konfuzianischen Weisheiten kulminiert, beginnt man, statt über geklonte Tiere über das Theater als moralische Anstalt zu sinnieren und darüber, daß Botschaften immer eine gewisse Trotzigkeit hervorrufen und andererseits - denkt man an das im Off-Bereich gängige anything goes - irgendwie zumindest mutig sind.So gesehen ist dieser auf jegliche (multimediale) Effekthascherei verzichtende "Kuhstall", der bis zum 6.Dezember immer freitags bis sonntags um 20 Uhr zu sehen ist, nicht mehr und nicht weniger als ein Abend, an dem man tatsächlich in verschiedener Hinsicht in Lücken vorstößt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben