Kultur : ZURÜCK-THEATER

RAOUL FISCHER

Der Kampf ums Publikum ist hart.Da ist Phantasie gefragt.Zuschauer müssen plötzlich auf die Bühne oder werden in Fragen verwickelt.Das Publikum nippt während der Vorführung am Wein und die Eintrittspreise werden per Los ermittelt - in der Off-Szene ist jedes Mittel recht.Der neuste Clou: Pasta im Namen Goldonis.Das Theater Windspiel e.V.in der Berliner Straße kombiniert "La Commedia alla mirandolina" von Carlo Goldoni mit einem Spaghetti-Essen.Wer aber glaubt, er dürfe genüßlich an Nudeln saugen, während ihm auf der Bühne die Mahlzeit versüßt wird, sieht sich getäuscht.Werden doch die schmackhaften Teigwaren erst nach dem Applaus serviert.Wer listigerweise das Abendessen sparen wollte, ist dann trunken vom Wein - und nimmt insofern an Handlung teil.Denn in dem mit Parkett und Vorhängen zur Bühne umgestalteten Garagenraum sind eigentlich alle trunken: vom Wein, von der Liebe und der Eifersucht.Einzig nüchtern ist die - herrlich kokett gespielte - Wirtin Mirandolina.Mit List und allerlei weiblichen Tricks macht sie sich die Schwäche ihrer Verehrer zunutze.Wer sich sperrt, wie der Cavalliere von Ripafrata, wird erst recht umgarnt.Drei der Darsteller umspielen die Handlung mit Bratsche, Gitarre und Trompete: witzig, wo letztere dem Cavaliere zum Hohngelächter wird, indem sie die Bratschenmelodie für Mirandolina aufnimmt.Die Zuschauer, an langen Tischen mitten im Geschehen, werden durch ein Augenzwinkern oder spontane Reaktionen auf angenehme Art einbezogen.Wo manche der Schauspieler von ihrem Deutsch - absichtlich oder unabsichtlich - verlassen werden, hilft die Dramaturgie weiter.Am Ende kommen dann die Spaghetti - und trösten einen endgültig über den Eintrittspreis von 50 Mark (eine andere Theateraufführung im Hause inbegriffen) hinweg.

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