Kultur : ZURÜCK - THEATER

CHRISTINA TILMANN

Das Licht geht aus und wieder an.Über eine weiße Wand flackern Schatten.Eine Frau liest etwas von "953 Pferden" und nackten Amazonen.Dann zieht sich eine andere aus.Und über Lautsprecher erklingt etwas von "Amt" und "Gesetz".Das war auch schon so ziemlich alles, was in 73 Minuten "theatraler Installation" passierte.Das Kreuzberger Theater Thikwà, bekannt für sein beispielhafte Zusammenspiel zwischen behinderten und nichtbehinderten Schauspielern, hatte mit fourframes in der Regie von Peter Baer (noch einmal heute, 15 und 21 Uhr) eine Etüde über Bewegung, Raum, Licht geschaffen, unter Berufung auf Lukrez, Charlotte Corday, den Photographen Eadwead Muybridge und die Choreographie eines Carl von Clausewitz.Im leeren Bühnenraum des Theaters am Halleschen Ufer bewegen sich einzig die Zuschauer.Erst abwartend, dann ratlos, zwischenzeitlich amüsiert und am Ende eindeutig genervt wandeln sie auf- und ab, immer auf der Suche nach dem Sinn der Aktion.Am Anfang macht das Spiel zwischen Wirklichkeit und Inszenierung noch Spaß: Der dort, der in schwarz, der sich schlurfend durch den Raum bewegt, ist das nicht ein Schauspieler? Jenes Pärchen in Gold und Glimmer, das sich in der Mitte des Saals hingebungsvoll küßt: Eine Inszenierung? Ein lautes Lachen, abrupt und sofort wieder beendet: Hysterische Zuschauerreaktion oder Teil der Installation? Sehen und gesehen werden, heißt die Devise.Bald aber versacken die Energien im lethargischen Fluß ewiger Wiederkehr.Irgendwann - es war noch nicht die 73.Minute - sind wir gegangen.Und denken uns die Installation in einer Endlosschleife.954 Pferde.955 Pferde.

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