Kultur : ZURÜCK - THEATER

CHRISTINA TILMANN

"Ich bin Olga.Staatsangehörigkeit: Jüdin.Staatsangehörigkeit: deutsch." Olga Benario, in Berlin geboren, wird 1928 in Moskau ausgebildet und folgt dem brasilianischen Freiheitskämpfer Luis Carlos Prestes aus Liebe in sein Land.Dort gefangengenommen und gefoltert, wird sie, obwohl schwanger, nach Nazi-Deutschland ausgeliefert, sitzt zwei Jahre im Berliner Frauengefängnis und wird schließlich im KZ Ravensbrück hingerichtet.Die Schauspielerin Carla Bessa hat sich Dea Lohers Drama "Olgas Raum" im Theatersaal des Kulturhauses Mitte als Einpersonenstück auf den Leib geschneidert (noch einmal heute, 20.30 Uhr).Dabei stellt sie weniger Lohers Psychogramm der perversen Anziehung zwischen dem Folterer und seinem Opfer, des Machtspiels zwischen Liebe und Haß ins Zentrum.Was Bessa fasziniert, ist die Grundsituation der gefangenen Frau.Und diese zeigt sie in starken Bildern: Da kauert das schmale Wesen kältezitternd auf einer Matte, während aus dem Off ein Saxophon nagende, raschelnde Töne von sich gibt, als wäre es eine Ratte.Oder sie streicht in langen, weichen Bewegungen auf allen Vieren um den Raum, starrt unbeweglich ins Publikum, als wäre sie ein gefangenes Raubtier.Im flackernden Licht klatscht ihr Körper wie mit Gewalt geworfen auf den Boden.Und - in der bittersten, einprägsamsten Szene des Abends - sie verrenkt Arm, Schulter, Körper, als würde sie von harten Foltererhänden gezerrt, verstummt gurgelnd unter der eigenen, würgenden Hand, sinkt zu Boden, rappelt sich wieder hoch und beginnt atemlos, stockend von neuem.40 Minuten lang Parforce-Theater, das Handlung, Erklärung nicht braucht.Weil hier der Körper spricht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben