Kultur : ZURÜCK - Theater

NICOLA KUHN

"Oh Gesetze, oh Sitten", dieser eher spöttische Seufzer Giacomo Casanovas über britische Eigenarten, die er 1763 bei einem London-Besuch kennengelernt hatte, dürfte auch Georg Friedrich Lichtenberg bei seinen England-Reisen immer wieder über die Lippen gekommen sein.Der Naturwissenschaftler und Schriftsteller fand aber erst in William Hogarth einen Geistesverwandten; dessen gemalte und in Kupfer gestochene Beobachtungen der korrupten britischen Gesellschaft stimulierten die spitze Feder des deutschen Besuchers.Zweihundert Jahre später seufzt das Publikum genüßlich noch einmal mit, wenn Hans-Peter Hallwachs mit seiner rauchigen Schauspielerstimme im Alten Museum - umgeben von den gerade beschriebenen Gemälden und Stichen des Hogarth-Zyklus "Marriage à la mode" - aus Lichtenbergs "Ausführlicher Erklärung" zitiert: "Die Gräfin ist ein geworfenes Geschöpf." Und es kichert schmunzelnd mit, wenn Lichtenberg mokant verlauten läßt: "Madame, das war - so sehr es nach der Mode gewesen sein mochte - nicht schön." Ach ja, so also kann es gehen, wenn der Anstand fehlt.Darin schien sich die Gemeinde einig."Schauplatz Museum" hatte zu dieser Zeitreise geladen, das Publikum sich noch einmal wohlig empören lassen.Als moralische Erbauung in all dieser Verderbnis spielte das Gambenduo "Der harmonische Eulenspiegel" auf und trieb den Lichtenbergschen Kommentaren beinahe die letzte Schärfe aus.Einen kleinen Hinweis zur spannenderen Inszenierung lieferte Hallwachs selbst: Auf seinem Bücherbeutel prangte James Joyce.Den hätte man mit Hogarth kreuzen können, und dann doch bitte schräge Musik dazu.

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