Kultur : ZURÜCK - THEATER

Sie hieß Mary, und sie war Köchin.Doch sie war gefährlicher, als Köchinnen gemeinhin sind."Typhoid Mary" brachte, als sie Ende des letzten Jahrhunderts aus Irland in die USA auswanderte, ein gar nicht schönes Gastgeschenk mit: Wo auch immer Mary Mallon kochte, erkrankten die Esser an Typhus.Das New Yorker deep ellum ensemble hat die Geschichte der gefährlichen Köchin aufgegriffen und macht daraus, so die Eigenwerbung, "einen metaphorischen Aufstand gegen die aktuelle Kulturpolitik in den USA".Im Kreuzberger Theater friends of the italian opera, wo das Stück mit dem appetitlichen Titel "Blood Pudding" als Welturaufführung noch bis zum 14.Februar (außer Dienstag und Mittwoch um 20 Uhr) gezeigt wird, folgt der Zuschauer drei Stunden lang den Spuren der realen Mary: ihre Versuche, sich nach dem Kochverbot als Wahrsagerin oder Putzfrau hochzuarbeiten, müssen scheitern.Sie lebt nur für die Kunst im Kochtopf, bis sie schließlich endgültig hinter Gitter wandert.Drei Stunden für eine Köchin! Die Moral von der Geschicht (Nur gefährliche Kunst ist wertvolle Kunst) schmeißt einen auch nicht unbedingt vom Gestühl.

Dennoch ist die Inszenierung sehenswert.Regisseur Matthew Earnest hat viel Sinn für sinnige Bilder.Oft würzt er mit Witz, so beim Tanz der Hühnchen und Tortellini, und fast immer mit Poesie.Wie Helena Prince dem an Typhus sterbenden Kind ein Wiegenlied singt, das unmerklich zum Sterbelied wird, gehört zu den anrührendsten Szenen.Karen Lee Pickett in der Rolle der Mary überzeugt als eine kraftvolle Unschuld.Aber Schluß jetzt; eine Schauspielerin aus diesem starken Ensemble herauszuheben, wäre einfach ungerecht.TOM HEITHOFF

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