Kultur : ZURÜCK - THEATER

RÜDIGER SINGER

Einer brennenden Frage rückt Paul Barz in einer Komödie von 1985 zu Leibe, die im Jahre 1747 spielt: Bach oder Händel - wer war der Größere? Zwecks Klärung wird eine "mögliche Begegnung" der beiden anberaumt: Der reiche Londoner Starmusiker "Handel" kommt nach Leipzig und lädt den armen Thomaskantor "Pach" zu einem opulenten Mahl.Festival der Gegensätze: Händel speist und prahlt, Bach schlingt und schweigt.Händel, erfährt man, wurde als Kind geschlagen, wenn er musizieren wollte, Bach, wenn er nicht musizieren wollten.Händel ist einsam, Bach stets umringt von einer Kinderschar.Und so fort, bis der Wein die ganze Wahrheit zutage fördert: Erst beleidigen sich die Herren, dann bekennt Händel, daß er Bach um sein Genie beneidet, Bach dagegen Händel um seinen Erfolg.Womit beide quitt sind und selig einnicken.Daß diese Telekolleg-Dramatik doch auf einigen Bühnen Erfolg hatte, liegt wohl vor allem an den dankbaren Rollen für starke Schauspielpersönlichkeiten.Kurt Lutz als Händel jedoch hat im Meistersaal nur eine blasierte Sprechweise mit mehr oder weniger dazu passenden Gesten zu bieten - nicht die Spur vom "charmanten Scheusal", wie ihn die Londoner nannten.Günter Junghans als Bach bietet Stationen-Theater: Erst steif vor sich hinstarrend, dann laut und stolz.Selbst die Rolle von Händels musischem Diener, der mit Bach sympathisiert und seinen Herrn tyrannisiert, könnte man etwas weniger bieder gestalten als Peter Groeger.Und wenn Regisseur Carl-Hermann Risse mit gelegentlichen tempi-Wechseln ein uninspiriertes Larghissimo vermieden hätte, wäre zwar immer noch keine große Sprechoper herausgekommen, aber doch nette Unterhaltungsmusik (wieder vom 10.bis 14.und vom 17.bis 21.2., 20 Uhr).

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