Kultur : ZURÜCK - THEATER

KNUD KOHR

Der Markt ist eng, das Geld wird knapper.In den Chefetagen der Wirtschaftsunternehmen muß man sich neue Konzepte überlegen.Der Managementzweig, der sich aus diesen Anforderungen gebildet hat, heißt denn auch folgerichtig "Change-Management".Eine seiner schärfsten Waffen ist das sogenannte Business-Theater.Rund dreißig dieser Ensembles tingeln mittlerweile durch Deutschland.Ihre Vorgehensweise ist immer dieselbe: Vom Management beauftragt, schreiben und inszenieren sie ein Theaterstück, in dem die neuen Unternehmensziele dramatisch bearbeitet werden und dem Personal im Rahmen einer Schulung zu Gesicht gebracht wird.Agit-Prop von oben also.Der Marktführer dieses seltsamen Segments, die Mannheimer Visual Business Theater GmbH mit ihrem Chef und Autor Bernhard Strobel, präsentierte ihr Bewerbungs-Drama Change am vergangenen Mittwoch vor Berliner Unternehmensvertretern und Studenten im Henry-Ford-Bau der FU.Ein ehrlich bemühter Darsteller vom Staatstheater Heidelberg demonstrierte in einem Ein-Personen-Einakter unter verschärftem Armwedeln und Stimmeheben, wie schwer es ein einfacher Angestellter im engen Markt hat.Seit fünfzehn Jahren im Geschäft, weiß er plötzlich nicht mehr weiter.Kurz bevor er die Kündigung schreibt, fällt ihm Gottseidank noch ein, daß er sein Unternehmen ganz furchtbar lieb hat und sich - gemeinsam mit dem Management - den neuen Herausforderungen stellen möchte.Nach zwanzig Minuten Monolog gab es Freigetränke für alle, die ausgeharrt hatten.Spätestens beim dritten Glas dürfte das Bühnengeschehen vergessen gewesen sein.

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