Kultur : ZURÜCK - THEATER

FRANK DIETSCHREIT

Casanova ist sauer.Schlimm genug, daß der Marquis seine alten Tage als Bibliothekar auf dem finsteren Schloß des Grafen Waldstein fristen muß.Richtig zur Verzweiflung treibt ihn die Borniertheit der böhmischen Bauern, die nur Bier, Knödel und fettes Fleisch kennen.Von französischem Rotwein, leckeren Trüffeln und süffigen Austern haben sie keine Vorstellung.Und wenn Casanova davon erzählt, daß er einst beim preußischen König in Stellung war, mit dem Papst in Rom debattierte und von den Damen der feinen Gesellschaft als nimmersatter Erotomane geschätzt wurde, halten ihn alle für einen Spinner.Nur Sophie, die einfältige Wäscheschließerin, hat Mitleid mit dem miesepetrigen Memoirenschreiber und hängt gebannt an seinen Lippen.Denn jede Lüge ist schließlich besser als die Wirklichkeit.Ute Lubosch und Wilfried Pucher, durch unzählige Film- und Fernsehrollen bekannt, sind nur noch selten auf der Bühne zu sehen.Wenn die beiden sich jetzt in das Theater Schmales Handtuch verirren und Karl Gassauers "Casanova auf Schloß Dux" zu einer Parabel über die Nöte des Alterns und die Wirklichkeit des Wünschens machen, darf man neugierig sein.Was die beiden ohne Regisseur auskommenden, die Kunst des Sprechens und Spielens aus dem Effeff beherrschenden Darsteller auf der karg ausstaffierten Bühne treiben, ist amüsant und anregend.Aber doch auch ziemlich harmlos und hausbacken.Man redet gepflegt und träumt von besseren Zeiten.Nur einmal, als beiden sich beim Essen mit Blicken verzehren, einen Fasan gierig zerfleddern und sich lüsternem Schmatzen hingeben, erzeugt die erotische Ersatzhandlung eine explosive Atmosphäre.Daß die aufgegeilte Sophie leer ausgeht, kann einem richtig leid tun.

(nächste Vorstellungen am 5., 6.3., 16., 17.4., 20 Uhr)

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