Kultur : ZURÜCK- THEATER

ANDREAS KRIEGER

Der Schein trügt ganz gewaltig.Anja ist für Thomas die Freundin, die er immer wollte: bildschön, brav und bieder - sie paßt einfach wunderbar in seine Spießerwelt mit Hibiskus und Gänseleberpastete.Doch alle zwei Monate tobt sich Anja in Polen aus.Thomas vermutet eine Liebesaffäre, aber ihr Interesse gilt anderen Abenteuern.Mit blonder Perücke arbeitet Anja als Lockvogel für den Geheimdienst.Diesmal soll Lotçek erledigt werden.Zur Vorbereitung der Aktion läßt Regisseur Matthias Wittekindt in der mit zwei Tischen und ein paar Stühlen nur spärlich eingerichteten Halle des Dock 11 eine Freakshow von intriganten, liebeshungrigen Geheimdienstlern aufmarschieren: die eisige Agenten-Managerin Frau Mutter, die ebenso kalte Auftraggeberin Dr.Regler und Herrn von Tannenberg, den Kaugummi kauenden "Held der Frauen".Das Warten auf Lotçek verkürzt man sich mit oberflächlichen Geplauder und flotten Tänzen.Herr Käfer, vielleicht der Chef, auf jeden Fall verrückt, bereitet Anita und Anja auf ihre Mission vor, choreographiert jede Bewegung, bis sie schließlich keine Lust mehr haben und ..., na ja.Lotçek gehört jedenfalls zu den wenigen, die den Showdown überleben - aber auch nur, weil er nicht auftaucht.Der Schein trügt: eine tragische Pornographie nennt Wittekindt die Neuauflage seines Stücks Held der Frauen, für das man besser eine andere Genre-Schublade erfinden sollte: die Geheimdienst-Soap.Die Dialoge plätschern angenehm und das vom Ensemble des "Brüsselprojekts" sympathisch gespielte Personal würde in Filmen wie "Pulp Fiction" oder "James Bond" auch nicht weiter auffallen.Schade, daß am Schluß fast alle tot sind.Das Stück hätte das Zeug für eine Serie gehabt.

18.bis 21.und 25.bis 28.März, jeweils 20.30 Uhr

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