Kultur : ZURÜCK - THEATER

PATRICIA CASPARI

Ihr Schrei - ein tiefes Ausatmen.Ihr Singsang - das schauerlich-schöne Lied eines gequälten Tieres.Ihr Lachen - vielfältig von schenkelklopfend-rotzig bis verlegen-spitz.Die Schauspielerin Ingrid Müller-Farny stimmt in ihrer Inszenierung "Weißer, kalter Flügel" in der Brotfabrik in Berlin-Weissensee (6.bis 9.5., täglich 20 Uhr 30) zu Texten der amerikanischen Dichterin Sylvia Plath einen fauchenden Höhenflug durch alle Stimmungslagen an.Mit Versatzstücken aus "Drei Frauen" und Gedichten aus dem Band "Ariel" offenbart sie die wahnsinnige Verzweiflung Sylvia Plaths, die an ihrem Spagat zwischen ihrer hohen Emotionalität und dem perfektionistischen Ehrgeiz als Frau, Dichterin, Mutter zweier Kinder, Intellektuelle und Ehegattin schließlich zerbricht: Sylvia Plath nahm sich 1963 im Alter von 30 Jahren das Leben.Um Geburt und Tod - Plaths wesentliche Themen - kreist auch die skurrile Geschichte um die Vergewaltigung einer Sekretärin durch einen Schwan mit anschließender Fehlgeburt, die in die Psychiatrie führt und mit einem "Schwanengesang" in den Tod endet.Vergewaltigung, Unfruchtbarkeit oder Fehlgeburten stehen als markante Metaphern für Plaths Zweifel, kreativ gebären zu können oder als Autorin dem Leben nur unzulänglich zu begegnen.Die von obskurer Morbidität und absurder Komik durchzogenen Texte Plaths entfalten in Ingrid Müller-Farnys "Vertonung" ihre volle Wirkungskraft: An dem Wort "Welt" schlägt ihre melodische Stimme um in ein Quäken - als hätte sich der Schwan am Froschkönig verschluckt.

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