Kultur : ZURÜCK - THEATER

JULIAN HANICH

Die Typen sind cool. Mr. White, Mr. Pink und die anderen: Kerle mit dunklen Anzügen, kalten Knarren und zentimetertiefen Falten auf der Stirn beim Zug an der Zigarette. Sie reißen trockene Sprüche über Madonna und lange Schwänze. Doch dann versauen sie einen Juwelenraub, und die Lässigkeit ist dahin. Als Treffpunkt ist eine Lagerhalle abgemacht, in der nicht nur die Chemikalienfässer explosiv sind. Irgendeiner muß ein Verräter sein. Das zehrt an den Nerven. Das bringt Konflikte. Das kann nur blutig werden. Fast so blutig wie Quentin Tarantinos Film "Reservoir Dogs", den die Spandauer Gruppe jtw unter dem Titel "Wilde Hunde" adaptiert hat. Film als Bühnenstück - die Idee haben vorher nicht nur Kriegenburg, Castorf und Sönke Wortmann gehabt. Und man fragt sich schon manchmal: Warum im Theater? Die Antwort von Regisseur Serdal Karaca überzeugt. Gut, die über Diaprojektoren erzählten Rückblenden sind behäbig, und die Akustik scheppert. Aber mit dem Arena-Glashaus wurde ein idealer Hallenspielort gefunden. Die Zuschauer sitzen auf Lagerpaletten; gespielt wird im Breitwandformat. Das garantiert Nähe. Die Gefühlsspannungen und die Gewalt der Gangstergruppe geraten beklemmend intensiv. Die Faustschläge und Fußtritte sind heftig, und die Pistolenschüsse attackieren das Trommelfell. Illusionsbildung, die fast das Theaterblut vergessen läßt. Sowas funktioniert erstens nur mit packenden Darstellern. Zweitens mit gut getimter Choreographie. Und nicht zuletzt beweist die Inszenierung: Die Coolness von Tarantinos Skripts wird von niemandem übertroffen. Ob im Kino oder auf der Bühne.

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