Kultur : ZURÜCK - VARIÉTE

KNUD KOHR

Das Renaissance-Theater scheint sich in seinen größeren Produktionen immer stärker auf mehr Abwechslung mit Megahits aus mindestens acht Jahrzehnten zu spezialisieren.Feierte man im letzten Jahr Erfolge mit "The Black Rider" und "Marlene", geht es in der aktuellen - von Volker Kühn zusammengestellten - Show Der verrückte Salon noch ein paar Dekaden weiter zurück; die Chansons der 20er Jahre müssen ein weiteres Mal herhalten.So etwas kann kaum schiefgehen.Im Renaissance-Theater geht es schon deshalb nicht schief, weil man vorwiegend Publikumslieblinge ins ausverkaufte Haus geladen hat: Ralf Wolter schmettert Otto-Reutter-Couplets, Schall & Hauch fordern die schöne Isabella aus Kastilien zur sofortigen Rückkehr nach Spanien auf, Henry de Winter and his Hot Serenaders küssen Madames Hand, und Judy Winter, die mittlerweile bereits für ihre bloße Anwesenheit auf der Bühne bejubelt wird, sucht sich heute abend einen Mann aus - einen richtigen Mann.Der Rest besteht aus reichlich Brecht und Weill, Kästner, Gershwin und Fats Waller.Doch gerade wegen dieser Unzahl sicherer Nummern wirkt die Show lau und mutlos.Das Bühnenbild besteht einzig aus dem Orchesteraufbau.Auf den wenigen verbleibenden Quadratmetern tummelt sich mit Boris Aljinovic ein Gastgeber, der zwar charmant ist, aber über seinen Job zuwenig nachgedacht hat, um seiner Moderation und dem Abend eine Linie zu geben.Allmählich wird es Zeit, daß man sich am Ernst-Reuter-Platz um ein bißchen mehr Inspiration bemüht.Denn sonst ist nicht auszuschließen, daß die nächste Show auf Spitzenleistungen des Kaiserreichs zurückgreift und "Wissen Sie eigentlich noch, wer Radetzky war?" heißt.

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