Kultur : ZURÜCK - WELTMUSIK

ROMAN RHODE

Im Pfefferberg spiegelt sich ein imaginärer Dorfplatz irgendwo in Kamerun, der seinen festlichen Glanz bis nach Mitteleuropa strahlt.Es ist eine Augenweide: Gewänder, in denen Musiker allerlei Farben zeigen und schöne Falten werfen, bunte Armreifen und leichte Face-Paintings an den Background-Sängerinnen, Scheinwerfer, die wie eine sinkende Sonne über Kakaoplantagen leuchten, und Bühnenmonitore, die mit bedruckten Tüchern verhüllt sind.Nur der Drummer ist weiß und sitzt im schlichten Polohemd hinter seinem Schlagzeug.Von den vertrackten Rhythmen Afrikas ist daher kaum etwas zu hören, statt dessen geht ein gleichmäßiger Beat durch den Saal, ein gut verträglicher Ohrenschmaus aus Rock- und Funk- und Reggae-Zitaten, der in Paris und Brüssel schon seit zwei Jahren produziert und goutiert wird.Im Mittelpunkt dieser seltsam vertrauten, fast schon globalen Dorfgemeinschaft steht die Sängerin Sally Nyolo.Mit verschiedenen Idiophonen und einer kleinen Talking drum in den Händen erzählt sie in ihrer Bantu-Sprache Geschichten aus der Ursprungsheimat Kamerun oder gar von einem Japaner, der glaubt, mit Bob Marley geistesverwandt zu sein.All das trägt Nyolo mit dieser klaren, ausgereiften Stimme vor, die bereits das weibliche Vokalensemble Zap Mama geprägt hatte.Ihr zweites Solo-Album feiert nun nicht mehr unbedingt die Rückkehr zu den eigenen, tonerdigen Wurzeln, sondern verkündet schon im Titel eine weltumspannende Botschaft des Pop: "Multiculti", französisch "mültikülti", setzt auf Respekt und Toleranz der multiplen Töne."We love our differences", singt Sally Nyolo, und hat ihre Aussage mit jenem angenehmen, geschmackvollen Ethnostoff drapiert, der inzwischen überall zu haben ist.

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