Kultur : Zurück zu den Anfängen: Kehrt Peter Stein nach Berlin zurück?

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Eigentlich wollte der Regisseur nach seiner „Faust“-Inszenierung mehrere Jahre lang ausschließlich Opern inszenieren, am liebsten im europäischen Ausland. Nun verdichten sich die Gerüchte, dass Peter Stein an den Ort seiner größten Theatertriumphe zurückzukehren möchte, nach Berlin. Er soll, wie aus gut unterrichteten Kreisen zu hören ist, darüber nachdenken, im Theater am Halleschen Ufer als sein eigener Produzent ein oder mehrere Stücke zu inszenieren.

Die Kreuzberger Off-Bühne, seit langem vor allem von der Berliner Tanzszene genutzt, ist nicht irgendein Theater. Hier nahm die Schaubühne ihren Anfang, hier inszenierte Stein vor zweiunddreißig Jahren zum ersten Mal in Berlin - Brechts „Die Mutter“, mit Therese Giehse in der Hauptrolle. In kurzer Zeit wurde das Haus mit Stein zum maßstabsetzenden Theater Europas. Elf Jahre nach Steins erster Schaubühnen-Inszenierung zog das Theater in den Mendelsohn-Bau am Kurfürstendamm.

Steins Überlegungen, von denen in der Gerüchteküche schon seit längerem zu hören war, auf der Bühne am Halleschen Ufer einen Neubeginn zu wagen, dürften wenig mit Nostalgie zu tun haben; eher mit der Lust, es den Jungen, die jetzt an der Schaubühne Theater machen, noch einmal zu zeigen. Zudem ist die Zukunft des Theaters am Halleschen Ufer unklar. Die angedachte Fusion mit dem Hebbel-Theater scheint gefährdet. Sechs Monate vor dem Ende der Intendanz Nele Hertlings am Hebbel-Theater ist noch kein Nachfolger benannt. Hier könnte Steins Projekt in ein Vakuum stoßen.

Allerdings ist die Finanzierung von Steins Plänen alles andere als gesichert. Das Land Berlin hat Mühe, seine unterfinanzierten Theater und Opern zu unterhalten; es wird sich kaum eine weitere Bühne leisten wollen. Beim Hauptstadtkulturfond, denkbarer Geldgeber für ein einmaliges Regie-Projekt, sind bislang keine Anträge Steins auf Förderung eingegangen. Die beiden prominentesten Stein-Fans aus der Bundeskulturpolitik, Knut Nevermann und Antje Vollmer, schweigen zu den Gerüchten. Das Aus für Stein muss das noch nicht bedeuten - schließlich ist ihm schon einmal die für unmöglich gehaltene Finanzierung einer freien Produktion gelungen - seines wahrlich unbescheidenen „Faust“-Projekts. Peter Laudenbach

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