Kultur : "Zurück zu Schinkel" - Lustvoll in den Garten (Kommentar)

Bernhard Schulz

Die Stadt sei ihrer Aufgabe als Hauptstadt gewachsen, ließ Senator Strieder verlauten, um der Fertigstellung der Lustgarten-Neugestaltung das angemessene Gewicht zu verleihen. Nun, wenn die Hauptstadtfähigkeit am Lustgarten geprüft werden sollte, fiele das Urteil womöglich weniger positiv aus, als es der Stadtentwicklungssenator gemeint hat. Mit seinen Vorhaben hatte Strieder wenig Glück, und das nicht nur am Lustgarten. Für dessen Gestaltung wurden - auch schon von Amtsvorgänger Hassemer - teure Wettbewerbe veranstaltet, deren von den Politikern hochgepriesene Siegerentwürfe nach Aburteilung durch die vox populi im Orkus verschwanden. Zurück zu Schinkel, war dann die rettende Parole, mit der der Lustgarten aus seinem erbarmungswürdigen Schmuddeldasein erlöst werden konnte. "Zurück zu Schinkel" ist für das in seiner Mitte jahrzehntelang geschundene Berlin gewiss nicht die schlechteste Vision. Nur hätte es keiner Wettbewerbe bedurft, um auf das derart Naheliegende zu kommen. Das Ensemble aus Altem Museum und davor liegendem Lustgarten stand doch als kostbare Einheit jedermann vor Augen, der nur die alten Ansichten betrachten wollte. Berlin ist gewiss nicht arm an Orten, die nach zeitgenössischer Gestaltung dürsten. Das jedoch, was aus Schinkels verschleudertem Erbe erhalten blieb oder wenigstens wiederherstellbar ist, darf getrost von solcher Gegenwart ausgenommen bleiben. Das Publikum hat sich gestern beim Einweihungsfest für den Lustgarten vergnügt. Aber auch die zuständigen Politiker dürfen sich freuen - und in einem Garten lustwandeln, der ein Herzstück Berlins war und erneut zu werden verspricht.

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