Kultur : Zurück zum Blut

KINO

Frank Noack

Wer sind die Guten und wer die Bösen, wenn Vampire gegen Werwölfe kämpfen? Aber nach den ersten Minuten von Len Wisemans Film „Underworld“ steht man auf Seiten der Vampire, allein schon wegen ihrer guten Manieren. Die Werwölfe sind Prolls von der übelsten Sorte und leben in der Kanalisation. Schließlich ist auch die Heldin Selene (Kate Beckinsale) eine Vampirin. Und sie hat eine alte Rechnung zu begleichen: Werwölfe haben einst ihre Familie ausgerottet. Kate Beckinsale, die so kess und lustig sein kann, beweist hier Mut zur konsequenten Humorlosigkeit. Selbst während der Liebeshandlung mit dem naiven Bereitschaftsarzt Michael (Scott Speedman) zwingt sie sich bestenfalls zu einem vorsichtigen Lächeln. Michael hält sich für einen normalen Menschen, dabei fließt Vampir- und Werwolfblut in ihm. Und an das wollen die Schurken beider Fraktionen herankommen. Ohne die schlagkräftige Selene würde er niemals überleben. Visuell erinnert der Film an „Blade Runner“ und „Matrix“, nur werden hier keine philosophischen Ansprüche behauptet. Wir haben es mit reiner Kolportage zu tun – leider ohne jeglichen Humor. Der bisherige Musikvideo-Regisseur Len Wiseman setzt ganz auf die Farbe Blau, so dass schnell Monotonie aufkommt. Höhepunkt ist eine Computeranimation: Als Selene einen ausrangierten Vampir wiederbelebt, jagt die Kamera durch die Venen, dass einem schwindlig wird. Dieser starke Moment verdeutlicht die Durchschnittlichkeit der restlichen Handlung (in 18 Berliner Kinos).

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