Kultur : Zurück zum Fluss

Die Kölner Frühlingsmessen setzen auf Spezialisierung und verbessern ihr Profil

Fabian Weinecke

Auch in diesem Jahr präsentiert sich in Köln unter dem Sammelbegriff Frühjahrsmessen ein Verbund aus inzwischen vier auf den Kunstmarkt zugeschnittenen Messen. Neben der 35. Westdeutschen Kunstmesse, der Kunst-Köln und der Antiquariatsmesse ist nun die Exponatec als Messe für Präsentationstechnik neu hinzugekommen. Das zentrale Bild bestimmen jedoch die Westdeutsche Kunstmesse und die fünfte Kunst-Köln. Vor allem diese überrascht mit neuem Gesicht. Durch eine stärkere Strukturierung erlangt die Messe ein deutlicheres Profil als in den Vorjahren. Die klare Unterteilung in die vier tragenden Säulen Editionen/Grafik, Fotografie, Art Brut und Kunst nach 1980 revidiert den zuletzt entstandenen Eindruck eines Gemischtwarenladens.

Preis fürs Berliner Kupferstichkabinett

Entsprechend programmatisch erscheint schon das Entree. Gleich zu Beginn steht der neu eingerichtete „Edition-Point“. Der von dem Berliner Galeristen Clemens Fahnemann initiierte Bereich schließt an die ursprüngliche Ausrichtung der Messe als Forum für Editionen und Multiples an. Eingerahmt von Grafiken Ellsworth Kellys aus der Sammlung Braunsfeld und einer Sonderschau des Berliner Kupferstichkabinetts, das unter dem Titel „Back to the River“ Grafiken der Sammlung von Uschi und Hans Welle sowie Schenkungen von Paul Maenz und Gerd de Vries zeigt, präsentieren sich Fahnemann und der von ihm für die Köln Messe gewonnene New Yorker Kunstverleger Brooke Alexander. Dieser wartet mit bissigen Lithografien von Raymond Pettibon (900 bis 1500 Dollar) auf. Bei Two Palms Press ist das introvertierte Porträt „Nick“ (Aquatinta und Kaltnadelradierung, Auflage 30) von Elizabeth Peyton für 4500 Euro zu haben. Eine Fotoserie von Tacita Dean (Auflage 24) bietet Niels Borch Jensen aus Berlin zu 6000 Euro an. Fahnemann selbst hat die gemalte Auflagenarbeit „ATAAAA“ von Imi Knoebel für 25000 Euro im Angebot (Auflage 20). Damit wird zum Auftakt vor allem auf arrivierte Kunst gesetzt. Die neue Abteilung habe zwar noch nicht zu einem Besucheransturm geführt, „aber die Neugierde geweckt“, so Fahnemann.

Den „Kunst-Köln-Preis 2004“ erhält das Berliner Kupferstichkabinett für sein jahrzehntelanges Engagement im Bereich der Auflagenkunst. Die bislang nur an Künstler vergebene Auszeichnung unterstützt so erstmalig eine Institution; auf diese Weise soll auch noch einmal auf die marode finanzielle Situation der Museen hingewiesen werden. Durchaus in eigener Sache: Heinrich Schulze Altcappenberg, Direktor des Kupferstichkabinetts, kündigte an, das Preisgeld in Höhe von 10000 Euro vor Ort für den Ankauf von Grafiken zu verwenden.

Der Fotobereich, in Anlehnung an die Paris Photo „Kölnphoto“ genannt, ist auf über zwanzig Galerien noch einmal gewachsen. Zwar ist die Qualität der gezeigten Arbeiten nicht durchgehend erstklassig, außerdem fehlen wichtige Kölner Galerien; doch auch hier gewinnt der Bereich durch sein deutlicheres Profil und eine von Barbara Hofmann kuratierte Sonderschau. Die Ausstellung reflektiert das Thema Landschaft in einem weit gespannten Bogen von Maxime Du Camp über Axel Hütte, Rudolf Bonvie und Boris Becker bis zu Ute Behrend und Espen Eichhöfer. Sabine Schmidt aus Köln zeigt klassische Fotografen wie Hugo Schmölz, Hannes Kilian und Eadweard Muybridge, von dem Lichtdrucke für 1800 Euro zu erwerben sind.

Wo Kunstwerke leuchten

Der Sektor der Art Brut hält ebenfalls qualitativ Hochwertiges bereit. Neben den „unzüchtigen“ Werken von Blalla W. Hallmann (14000 Euro) bietet die Kölner Galeristin Susanne Zander auch charmant ungekonnte Figurenzeichnungen eines Unbekannten ab 200 Euro an. Eine Fingerzeichnung von Louis Soutter für 160000 Euro bei der Berliner Galerie Fischer ist dagegen wohl das teuerste Bild in diesem Segment. Die Sonderschau zeigt einen sehenswerten Querschnitt der Sammlung Charlotte Zander, unter anderem mit Werken der Künstler Adolf Wölfli, Augustin Lesage und August Walla. Die Kunst nach 1980 fällt dagegen deutlich ab und wirkt bis auf wenige Ausnahmen dekorativ oder kunsthandwerklich. Nur wenige Galeristen schaffen es, interessante junge Kunst auf der Messe vorzustellen. Zu den Ausnahmen zählt die Galerie Peter Zedden aus Düsseldorf, die Gemälde von Achim Reimann oder Kunstharzfiguren von Herbert Willems (ab 450 Euro) zeigt. Umso angenehmer ist die räumliche Aufteilung: Mit rund hundert Galerien ist die Kunst-Köln eine relativ kleine Messe, was übersichtliche Kojen und eine weitläufige Anordnung möglich macht.

Der von Messemanager Gérard A. Godrow propagierte Vorteil des Besucheraustauschs zwischen den verschiedenen Messen scheint vor allem bei der Kunst-Köln und der Westdeutschen Kunstmesse zunehmend zu funktionieren. Auch diese beidenpräsentieren sich optisch völlig neu. Die im ersten Stock untergebrachte Westdeutsche Kunstmesse empfängt den Besucher mit einem Baldachin aus hellem Stoff. Hier herrscht gedämpftes Licht, und Spots bringen den Firnis der Exponate zum Leuchten. Neben dem einen oder anderen Gemälde von Carl Spitzweg und Max Liebermann finden sich hier vor allem Werke, die um 1900 entstanden sind, sowie ein großer Anteil an expressionistischer Grafik. Die von Werner Schmalenbach zusammengestellte exzellente Sonderschau „Afrikanischer Kunst aus Kölner Privatsammlungen“ richtet den Blick auf einen von der Messe bislang kaum beachteten Bereich.

Etwas überraschend gelangte der Besucher von der Kunst-Köln dann übergangslos in die Exponatec, die gestern endete. Dem Kunstfreund, Sammler und Kurator wurden hier Methoden sachgerechter Archivierung und neues Stellwanddesign vorgestellt. Mit der Eröffnung der „Antiquitätenmesse“ ist stattdessen ein weiterer Anziehungspunkt auf dem Messegelände hinzugekommen. Durch die deutlichen Strukturierungsmaßnamen hat sich der Gesamteindruck der Kölner Frühjahrsmessen zwar verbessern können, dennoch bleibt vor allem ein spezialisiertes Publikum ihre Zielgruppe.

35. Westdeutsche Kunstmesse, Kunst-Köln 2004, Rheinhallen, bis 26. April; täglich 11 bis 19 Uhr (freitags bis 21 Uhr); Antiquitätenmesse: bis 26. April; Tageskarte: 12 Euro, mit Katalog 20 Euro; Katalog 12 Euro.

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