Kultur : Zurück zur Natur

ULF MEYER

Zeitgeistig, sensibel und visionär sind die Arbeiten der Lenné-Preisträger 1998.Über zweihundert junge Garten- und Landschaftsarchitekten hatten sich an der Ausschreibung für den Lenné-Preis beteiligt.Dieser größte Ideenwettbewerb zur Förderung des Nachwuchses in der Freiraumgestaltung wurde gestern von Staatssekretär Hans Stimmann zum 31.Mal vergeben und ist mit dreimal 7500 DM dotiert.Zwischen einem kleinen Park auf dem Friedrichswerder in Berlin-Mitte, einem ehemaligen deutschen Fliegerhorst in dem Kurort Kolberg an der Pommerschen Ostseeküste und der Salzachaue im Grenzgebiet von Bayern und Österreich konnten die Teilnehmer in diesem Jahr wählen.

Daniel Reiser und Simone Schinkel aus Kassel setzten sich mit ihrem detaillierten und klaren Entwurf für einen Park-Platz am Friedrichswerder durch, der neben dem zukünftigen Außenministerium einen Lindenhain, eine Rasenfläche und ein steinernes, quadratisches Plateau miteinander kombiniert.Eine überwältigende Mehrheit der Teilnehmer hatte sich für diese kleinste der drei Aufgaben entschieden.Das Planwerk Innenstadt, das wie der Lenné-Preis vom Senator für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie initiiert wurde, sieht für die Umgebung gewöhnliche Baublöcke und - anders als die Gartenplaner - die Fortsetzung der Alten Leipziger Straße vor.

Lydia Scheffel aus Leipzig erhielt für ihren sensiblen Entwurf zur Umnutzung des ehemaligen Kasernengeländes an der polnischen Ostseeküste den Lenné-Preis in der Rubrik Städtische Grünordnung.Sie plant zwischen dem Strand und dem Ort einen Wald mit unterschiedlich gestalteten Lichtungen als natürlichen Windschutz für die alte Soldatensiedlung.Das alte Rollfeld am Militärflughafen bleibt in Scheffels Entwurf weitgehend erhalten.Scheffel setzt sich damit für eine sanfte touristische Entwicklung ein.

Der landschaftsplanerische Preis wurde geteilt.Beide preisgekrönte Teams suchen in ihren Entwürfen Ansätze für eine grenzüberschreitende Renaturierung der Salzachaue zwischen Laufen und Freilassing.Während Sonja Fricke und Gudrun Heckemeier aus Höxter die Auenlandschaft durch ein Wegenetz auf beiden Seiten der Grenze mit der Umgebung verbinden wollen, favorisieren Astrid Deutinger, Hanns Loimer und Edith Nowak aus Wien in ihrem mutigeren Beitrag einen Hochwasserschutz als strenge Zäsur und arbeiten mit Landart-Objekten entlang der bestehenden Bahnlinie.Zusätzlich soll in den angrenzenden Orten über Lautsprecher das Vogelzwitschern aus der Aue und das Plätschern der Salzach übertragen werden.Beide Arbeiten wurden von der Jury auch wegen ihrer "ansprechenden Graphik" geschätzt.Die Auszeichnung der Karl-Foerster-Stiftung erhielt in diesem Jahr der Beitrag von Uta Gerhardt und Christoph Menzel aus Kassel.

Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, bis 1.November.Heute findet um 11 Uhr ein Kolloquium mit Teilnehmern und Preisrichtern statt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben