Kultur : ZURÜCK

ECKART SCHWINGER

Kapriziöse Vorschlagsfiguren im ersten Satz der g-Moll-Sinfonie Nr.83 von Haydn haben ihr den Beinamen "La Poule" eingebracht.Wie wenig er in Wirklichkeit mit dem energiestrotzenden, weiträumig entworfenen Werk zu tun hat, unterstrichen Heinz Holliger und das Chamber Orchestra of Europe in ihrem ersten Festwochenkonzert im Kammermusiksaal der Philharmonie eindeutig.Da erinnerte an das Gackern eines Huhnes tatsächlich nichts mehr.Holliger und das blendend aufgelegte COE rissen sogleich den leidenschaftlichen Grundgestus des ersten Satzes mit starker, nachgerade schaubarer Intensität auf.Obendrein arbeiteten sie die punktierten Rhythmen, die Vorhalte, die Generalpausen mit nicht nachlassender Spannung heraus, ohne die lyrischen Auflichtungen und komödiantischen Akzente außeracht zu lassen.Der urplötzlich herausgeschleuderte Blitzstrahl im Andante ging geradezu unter die Haut.Überhaupt dirigierte Holliger mit ispirierender Frische, Verve und einer Ausdrucksschärfe sondergleichen.Eine elektrisierende Dynamisierung wurde auch der Haydnschen Sinfonier Nr.98 in B-Dur zuteil.Sogleich deren tieflotende, dunkle Einleitung hatte eine Beethovensche Dimension.Auch hierbei prallten die Gegensätze hart aufeinander, sprühten nur so die Funken eines jugendlich aufflammenden Musizierens.Ein Haydn von neuer, aufregender Qualität, einer bisweilen unerhörten Explosivkraft.Riesiger Jubel auch nach den Mozartschen Doppelkonzerten.Marieke Blankestijn (Violine) und Jane Atkins (Viola) beeindruckten bei der Sinfonia concertante Es-Dur KV 364 mit einem makellosen Dialogisieren, einer schmerzlich schönen Rhetorik, einem virtuosen Vorwärtsdrang.Höchst elegant und eloquent musizierten Ursula Holliger (Harfe) und Jaime Martin Delgado (Flöte) das C-Dur-Doppelkonzert KV 299.Von A bis Z ein geistvolles Vergnügen.

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