Kultur : Zuschauer-Blues

FRANK DIETSCHREIT

Ankommen.Abfahren.Vorbeihetzen.Weggucken.Telefonieren.Dia-Botschaften eines Aufbruchs.Die Reise beginnnt, fast unbemerkt von den hektisch rauchenden, laut palavernden Besuchern, in einer Ecke des Foyers.Dazu tröpfelt leise Musik der Allmann Brothers aus den Boxen.Fast bekommt man den Blues.Doch der wird einem schnell wieder ausgetrieben.Denn drinnen, im dunklen Theatersaal, werden aus Schnappschüssen endlose Bildersequenzen; stehen, sitzen, liegen vor einer riesigen Leinwand ein paar Gestalten und verdoppeln und verdreifachen die Bilder mit erläuternden und erfundenen Geschichten, getanzten Körper-Kommentaren und angedeuteten Spielszenen.Mit der Kamera fahren wir über US-Highways, und doch sind wir ganz hier, mitten in Berlin, in einem enervierenden, nicht enden wollenden Theaterexperiment.

"Drei Desert" nennt Thomas Martius seine Collage aus Wort und Bild, Körper und Klang.Zusammen mit Petra Steuber ist er im Sommer 1997 durch Kalifornien und Neu-Mexiko gereist und hat in einem fort die Kamera im Anschlag gehabt.Doch warum sollten diese Bilderfluten für irgendwelche Zuschauer von Belang sein? Um die filmischen Belanglosigkeiten zur Kunst zu adeln, erfinden die statisch vor der Leinwand plazierten und ihren Text herunterleiernden Martius und Steuber die Geschichte der Pottingers.Die Ehe der Pottingers ist allerdings genauso langweilig wie die Bilder.

Aber da sind ja noch ein paar Mitspieler.Sie dürfen ab und an ein paar Faxen machen, ihren Körper verknäueln.Einer darf auch dem Publikum erzählen, daß er einen Bruder hat.Das wollten wir wirklich immer schon wissen.Nino Sandow, bewährter Barde und Akteur am Berliner Ensemble, weiß auch nicht recht, was ihn in dieses von Monitoren umstelle "filmische Gedächtnistheater" vertrieben hat.Er legt sich einfach auf den Boden, grunzt und döst vor sich hin.Vielleicht schläft er ja.Das würden wir auch gern tun.Wo, bitte, ist das nächste Bett?

Theater am Halleschen Ufer, heute, 21 Uhr.

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